GESCHICHTE DER UHR

 

"Zeit" ist ein so elementarer Begriff, dass zwar jeder weiß, was damit gemeint ist, aber kaum auf Anhieb imstande ist, ihn präzise zu beschreiben. Um etwas messen zu können, müssen Maßstäbe vorhanden sein.
Naturgegebene Einheiten der Zeitmessung sind Tag, Monat und Jahr. Diese Einheiten sind durch die gegenseitigen Bewegungen dreier Himmelskörper bedingt: Erde, Sonne und Mond.

Der Tag ist die Zeit, die die Erde braucht, um sich einmal um die eigene Achse zu drehen.
Der Monat ist der Zeitabstand zwischen zwei gleichen Mondphasen (die Hauptphasen sind Erstes Viertel, Vollmond, Letztes Viertel, Neumond). 
Die Erde braucht ein Jahr, um die Sonne einmal zu umkreisen.

Der Tag ist die kleinste Zeiteinheit, die durch die Bewegungen von Himmelskörpern vorgegeben ist. Damit konnten sich die Menschen so lange zufrieden geben, bis ihre Gemeinschaften eine Organisationsstufe erreichten, die ein exakteres Zusammenspiel, eine genauere Abstimmung der Tätigkeiten erforderte. Und das dauerte sehr lange, verlief doch das Leben in früheren Zeiten so langsam, dass eine präzise Unterteilung des Tages in Stunden gar nicht nötig war. Und selbst als man schließlich dazu überging, gliederte man zunächst lediglich den Lichttag, d. h., die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Eine Zeitmessung während der Nacht war für unsere Vorfahren bedeutungslos, da bei Einbruch der Dunkelheit jede Tätigkeit eingestellt wurde.

Bereits um das Jahr 5000 v. Chr. wurden in Ägypten Sonnenuhren zur Zeitmessung verwendet. Aus China sind Sonnenuhren aus der Zeit um 3000 v.Chr. bekannt, Sonnenuhren gab es auch bei den Inkas, vermutlich in Verbindung mit kultischen Zwecken, und in Indien schuf Jai Singh um 1700 gewaltige Sonnenobservatorien. In allen Kulturen stellt die Sonnenuhr das erste Zeitmessinstrument dar.

Mechanische Uhren gibt es seit dem 13.  Jahrhundert.  Sie gehören damit zu den ältesten Erzeugnissen "moderner" Technik.  Der in ihnen verwirklichte Erfindungsreichtum, ihre komplizierte und sinnreiche Mechanik und nicht zuletzt ihre Schönheit haben von jeher die Menschen begeistert.

In unserer Zeit, da die mechanischen Uhren fast völlig von ihren elektronischen Nachfolgern verdrängt wurden, hat diese Faszination noch mehr zugenommen. Gerade die Tatsache, dass sie beginnen unmodern zu werden, verleiht den mechanischen Uhren einen nostalgischen und sentimentalen Reiz.

Alte Uhren sind ein hoch interessanter Spiegel der kulturellen und sozialen Entwicklung, und sehr oft Kunstwerke von hohem Rang.

 

 

5000 vor Chr.

Bereits um das Jahr 5000 v. Chr. wurden in Ägypten Sonnenuhren zur Zeitmessung verwendet. Aus China sind Sonnenuhren aus der Zeit um 3000 v.Chr. bekannt, Sonnenuhren gab es auch bei den Inkas, vermutlich in Verbindung mit kultischen Zwecken, und in Indien schuf Jai Singh Altägyptische Sonnenuhr (Obelisk) um 1700 gewaltige Sonnenobservatorien. In allen Kulturen stellt die Sonnenuhr das erste Zeitmessinstrument dar.

Eine Sonnenuhr aus Ägypten sehen Sie hier rechts. Ihr zeitanzeigendes Element ist eine senkrechte Steinsäule von etwa 6 Meter Höhe mit einer Spitze, die bei Sonnenschein einen Schatten wirft. Da die Sonne im Lauf eines Tages vom Aufgang bis zum Untergang sowohl die Höhe über dem Horizont wie auch die Himmelsrichtung ändert, kann der Schatten auf zweierlei Weise zur Zeitbestimmung dienen: entweder durch Ausmessen der Schattenlänge oder durch Feststellung der Richtung des Schattenwurfs.Sonnenhr

Nun ist aber der Stand der Sonne nicht allein von der Tageszeit, sondern auch von der Jahreszeit und unserem Standort auf der Erdoberfläche abhängig. Dadurch wird der Gebrauch der Sonnenuhr zur exakten Zeitmessung ziemlich kompliziert, er erfordert eine ganze Reihe von astronomischen Kenntnissen.

Grundsätzlich gibt die Lage bzw. die Länge des Schattens eines von der Sonne beschienenen Stabes die Zeit des betreffenden Ortes auf der Erdkugel, die sog. Ortszeit, an.

Während bei den Sonnenuhren des Altertums der schattenwerfende Stab stets senkrecht auf der Erdoberfläche stand oder waagrecht aus einer Wand herausragte, werden etwa seit dem 15. Jahrhundert hauptsächlich Sonnenuhren verwendet, deren Stab parallel zur Erdachse gerichtet ist. Der Neigungswinkel gegen die Ebene des Horizontes ist dabei gleich der geographischen Breite des Aufstellungsortes.

Je nach Lage der Projektionsebene des Schattens unterscheidet man dabei verschiedene Arten von Sonnenuhren:

   1. Die Äquatorialsonnenuhr:

Die Projektionsebene für den Schatten liegt parallel zum Äquator, also senkrecht zum Stab. Die Sektorenwinkel, um die sich der Schatten stündlich um den Fußpunkt der Scheibe dreht, sind gleich. Sie betragen 15°, entsprechend der Bewegung der Sonne. Soll eine Äquatorialsonnenuhr auch im Winterhalbjahr brauchbar sein, so muss der Stab auch auf die untere Hälfte der Uhr Schatten werfen.

 2. Die Horizontalsonnenuhr:

Die Schattenebene liegt in der Ebene des Horizonts. Die Winkel zwischen den einzelnen Stundenlinien sind unterschiedlich groß.

 3. Die Vertikalsonnenuhr (Mittagsuhr):

Sie hat ebenfalls ungleiche Stundenabstände. Kompliziert wird die Berechnung der Stundenlinien, wenn die Wand nicht senkrecht zur Meridianebene liegt.

Für astronomisch genaue Zeitbestimmungen aus dem Stand der Sonne bedarf es noch eines Korrekturwertes, der sog. Zeitgleichung (d. h. "Zeitausgleich"), um aus der wahren Sonnenzeit die für uns heute gültige mittlere Sonnenzeit zu erhalten. Nur viermal im Jahr, und zwar am 15. April, 15. Juni, 31. August und 24. Dezember, stimmen wahre Sonnenzeit und mittlere Sonnenzeit überein. Der Unterschied kann bis zu 16 Minuten betragen.

Der Grund für diese Erscheinung ist die Bewegung der Erde um die Sonne in einer exzentrischen Bahn, wobei ferner ihre Bahnebene, die Ekliptik, gegenüber dem Erdäquator geneigt ist. Es ergeben sich dadurch Änderungen der Länge des wahren Sonnentags gegenüber dem mittleren Sonnentag, den man erhält, wenn man das Jahr in gleich lange Tage einteilt.

Doch kehren wir zum Altertum zurück: Die Anforderungen an die Genauigkeit der Zeitangabe waren längst nicht so groß wie heute. Es genügte im allgemeinen, aus der Länge des eigenen Körperschattens die Tageszeit zu bestimmen. Dazu wurde der Schatten durch Abschreiten, Fuß vor Fuß, gemessen, nachdem man sich vorher die Stelle gemerkt hatte, wo der Schatten des Kopfes war. Die antike Beschreibung dieses Verfahrens besagt, die Natur habe es so eingerichtet, dass kleinere Leute auch kürzere Füße hätten, so dass sich ein konstantes Verhältnis zwischen der Körpergröße eines Menschen und seiner Fußlänge ergebe. Der Begriff der Kompensation, der in der Zeitmessung noch oft eine bedeutende Rolle spielen wird, tritt hier erstmals auf.

Für uns ist es heute selbstverständlich, dass eine Stunde einen immer gleich langen Zeitabschnitt bedeutet. Nicht so für die Zeitgenossen des Kaisers Augustus! Die damals gebräuchlichen Temporalstunden änderten sich mit der Jahreszeit. Die antiken oder "jüdischen", Stunden wurden so ermittelt, dass die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, also der Lichttag wie auch die Nacht, in je 12 gleiche Teile eingeteilt wurde, Die Zeitangaben der Bibel beruhen beispielsweise auf dieser Stundeneinteilung. Dieses System funktioniert um so schlechter, je weiter man sich vom Äquator entfernt. Zur Zeit der Sonnenwende war der Unterschied zwischen der Länge der Tagstunden und der Nachtstunden besonders groß. Dem sollten die sogenannten "Planetenstunden" abhelfen, bei denen der Lichttag und die Nacht in je 12 ungleiche Teile geteilt wurden. Dabei ist die Mittagstunde größer als die Morgen- oder Abendstunde, wenn der Lichttag länger als die Nacht ist (also im Sommer), und kleiner, wenn der Lichttag kürzer als die Nacht ist. Zweimal im Jahr fallen die jüdischen und die Planetenstunden zusammen, nämlich in den Äquinoktien. Noch komplizierter wurde die Zeitangabe durch den unterschiedlichen Beginn der Zählung:

Die italienische Zählung mit Beginn bei Sonnenuntergang und Zählung bis 24, wobei entweder bei 0 begonnen und vorwärts oder bei 24 begonnen und rückwärts gezählt wird, die griechische oder babylonische Zählung von 0 bis 24 mit Beginn bei Sonnenaufgang oder, im Mittelalter, die Nürnberger Zählung mit Beginn bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang und Zählung jeweils bis 12 . Wie einfach mutet uns demgegenüber unser heutiges System an!

Wenn wir auch das Wort "Sonnenuhr" meist mit Kirchen oder öffentlichen Gebäuden in Verbindung bringen, so hat doch auch die tragbare Sonnenuhr eine große Bedeutung gehabt. Das Problem war nur, eine solche Uhr zunächst in die richtige Lage zu bringen, damit die Zeit auch richtig abgelesen werden konnte. Zur Lösung des Problems standen zwei Wege zur Verfügung: Je nachdem, ob man die Höhe des Sonnenstandes über dem Horizont oder den Stand der Sonne gegenüber dem Meridian zur Zeitbestimmung heranziehen wollte, benötigte man entweder die Kenntnis der Senkrechten zur Erdoberfläche oder aber die Kenntnis der Himmelsrichtung. Am einfachsten war freilich die Bestimmung der Senkrechten.

Zu diesem Zweck wurde die Sonnenuhr mit einem Senklot ausgerüstet, wie z. B. die tragbare Sonnenuhr des Kaisers Friedrich 111. aus dem Jahr 1438.

Zur Zeitbestimmung war folgendermaßen vorzugehen:

Der Sonnenquadrant wurde so gehalten, dass das Sonnenlicht gerade streifend über die obere Kante fiel. Diese Kante bildete die Visierrichtung zur Sonne. Damit hatte man die Sonnenhöhe, also den Winkel der Sonne über der Horizontalen, ermittelt. Das "Zifferblatt" dieser Uhr ist nun so eingerichtet, dass der Schnittpunkt des Fadens des Senklotes mit der dem Datum entsprechenden Skala die Zeit angibt. Die Linien, die je nach Datum zur Zeitablesung dienen, sind mit den dazugehörigen Tierkreiszeichen gekennzeichnet. Eine genaue Zeitbestimmung war mit diesem einfachen Instrument allerdings nicht möglich. Besonders im Winter war bei der geringen Sonnenhöhe die Anzeige zwischen 11 Uhr, 12 Uhr und 13 Uhr kaum zu unterscheiden. Nach etwa 16Uhr versagte die Uhr vollends: die Sonne war untergegangen.Der Schatten des Fadens zeigt die Stunden an.

Eine erhebliche Verbesserung der Zeitbestimmung erbrachten die Sonnenuhren. Sie waren mit einem Kompass versehen, mit dessen Hilfe die Uhr in Nord-Süd-Richtung eingestellt werden konnte. Wie aus der Abbildung (hier links) zu erkennen ist, besteht die Uhr aus zwei Teilen: dem waagrechten Boden und einem um 90' aufklappbaren, also senkrecht zu stellenden Deckel. Der Boden enthält eine Kompassnadel und trägt gleichzeitig die Stundenmarken einer Horizontalsonnenuhr. Auf dem Deckel befindet sich ein Polhöhenverzeichnis einer Reihe von Orten zwischen dem 47. und 55. Breitengrad. In der Mitte ist ein Schieber angebracht, in dessen Öse der schattenwerfende Faden eingehängt und auf die entsprechende Polhöhe eingestellt wird. Für die Polhöhen von 39 bis 42 und 45 bis 48 Grad sind Einlegeplatten vorhanden, so dass die Uhr zwischen Lissabon und Kopenhagen verwendet werden konnte. Bei Sonnenuhren in der Art von Abbildung  kann die Zeit sowohl auf dem Horizontal- wie auch auf dem Vertikalzifferblatt abgelesen werden. Die Einstellung der Uhr ist richtig, wenn beide Angaben übereinstimmen.

Erstaunlich ist der Formenreichtum dieser Uhren, der dem der Räderuhren in keiner Weise nachsieht, so dass es sich lohnt, hier noch etwas zu verweilen: Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts haben ganze Generationen von sogenannten "Kompassmachern", ihre Erfindungsgabe damit bewiesen. Der Name weist schon darauf hin, wie wichtig der Gebrauch des Kompasses in diesen Uhren war. Da es dabei auf die möglichst exakte Bestimmung des Meridians ankam, merkten die Kompassmacher bald, dass die Magnetnadel nicht genau nach Norden zeigte, sondern um einen bestimmten Betrag, die "Missweisung", von der genauen Himmelsrichtung abwich. Aus den erhaltenen Sonnenuhren lässt sich schließen, dass die Kenntnis der Missweisung etwa Ende des 13. Jahrhunderts Allgemeingut der Kompassmacher wurde.

Die Kompassmacher halfen mit ihren tragbaren Sonnenuhren, den Zeitraum von den Anfängen der Räderuhr bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu überbrücken, als endlich eine verlässliche Taschenräderuhr, wenn auch zu hohem Preis, angeboten wurde. Unentbehrlich war die Sonnenuhr auch dann noch zur Gangkorrektur der Räderuhren, denn eine "Normalzeit" war ja noch unbekannt.

Zu einem Zentrum der Kompassmacher entwickelte sich Augsburg. Als förderlich für die Herstellung von Sonnenuhren in Augsburg erwiesen sich die günstigen Absatzverhältnisse im Ausland. Bestimmend dafür waren die weltweiten Beziehungen der Handelshäuser Welser, Fugger und anderer, die in regem Warenverkehr mit Italien, Spanien, den Niederlanden, England und den überseeischen Ländern standen.

Die Schwierigkeiten waren zu Beginn der Sonnenuhrherstellung enorm, denn die Kompassmacher mussten mit dem Problem der Vielzahl der Stundenzählung und der unterschiedlichsten Dauer der Stunden fertig werden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schuf der Benediktinermönch Velt Bild die Konstruktionsunterlagen für Wand- und Taschensonnenuhren.  In Basel, Paris und Ingolstadt entwickelte sich um diese Zeit eine spezielle Sonnenuhrliteratur.

Da in Augsburg von den organisierten Handwerkern der Standpunkt vertreten wurde, dass die Anfertigung von Sonnenuhren der Handwerkssatzung unterliege, waren nur anerkannte Meister dazu befugt. Nichtmeistern wurden erhebliche Schwierigkeiten bei der Zulassung bereitet. Bekannte Meister waren Klieber, Schißler, Stahel, Zorn, Bener, Pepfenhauser, Willebrandt und manche andere, deren Namenszüge die berühmtesten Sonnenuhren trugen. Abnehmer waren Astronomen, Universitäten, Fürstenhöfe, Könige und Kaiser. Die Uhren wurden ausschließlich aus Metall hergestellt, wobei Silber und Messing, teilweise vergoldet, bevorzugt wurden. Sie boten vollendete Technik und feinstes Dekor, konnten flach zusammengeklappt in einem Etui auf Reisen mitgenommen werden.Äquatorialsonnenuhr des Kompasmachers M. Vretscher (1754).

Im Laufe der Zeit fanden vorzugsweise Äquatorialsonnenuhren Interesse, denen eine genaue Polhöhentafel und eine Gebrauchsanweisung beigegeben wurden. Die Gebrauchsanweisung für Sonnenuhren eines der letzten Kompassmacher, Johann Nepomuk Schrettegger (1764 bis 1843), lautet:

Gebrauch dieses Compasses:

"Zuerst hebet man den Stunden Ring in die Höhe, und nachdem man ihn vermittelst des daran befindlichen Einschnittes an den Quadranten, wodrauf die Grade der Polhöhe gezählet werden müßen, angeschlossen hat, richtet man ihn auf den gehörigen Grad der Polhöhe, z. B. für Augsburg auf den 48. Grad etc. Ist dieses geschehen, drehet man zur Zeit, da die Sonne scheinet, das ganze Instrument so lange umher, bis die bewegliche Magnetnadel mit der unbeweglichen, weiche auf den Boden des Instruments gestochen ist, gerade die nämliche Richtung hat. Und sieh, der Zeiger, welcher im Mittelpunkt des Stunden Ringes angebracht ist, und welcher vom 23, März bis zum 22. September aufwärts, die übrige Jahreszeit aber abwärts sehen muß, wird die wahre Zeit anzeigen. Der Senkei dienet, das Instrument wasserrecht zu stellen. Zudem, damit die Zeit genau angezeiget werde, ist es auch nothwendig, daß in der Nähe des Instruments kein Eisen sich befinde".

Sosehr auch Theorie und Praxis zur Vervollkommnung der Sonnenuhren beigetragen haben - sie alle haben einen Fehler, der sich nicht beseitigen lässt: Wenn die Sonne nicht scheint, sind sie nicht zu gebrauchen.

 

In der Antike

Das Bedürfnis, die Zeit auch bei bedecktem Himmel oder nachts zu erfahren, war die eigentliche Triebkraft zur Erfindung künstlicher Uhren. Die Entwicklung der Uhren ist dabei eng mit dem Fortschreiten der übrigen Technik verbunden. Jeder technische Fortschritt hat befruchtend auf die Zeitmessung gewirkt. Aufgrund der engen Wechselwirkung kann umgekehrt auch aus den Uhren einer bestimmten Zeitepoche auf den Stand der Technik geschlossen werden.Ägyptische Wasseruhr 15 Jahrhundert v. Chr

Die ältesten künstlichen Uhren waren Wasseruhren. Uns sind aus dem Jahr 3000 v.Chr. (Ägypten) sowie 600 v.Chr. (Babylon) solche einfachster Art bekannt, bei denen das Wasser aus einer kleinen Öffnung eines Gefäßes ausfloss und man aus der Höhe des Wasserspiegels die abgelaufene Zeit ablesen konnte. Auch das umgekehrte Prinzip war bekannt: Ein Gefäß mit einer Öffnung am Boden wurde in einen mit Wasser gefällten Trog gesetzt. Durch die Öffnung drang langsam Wasser ein, so dass es tiefer und tiefer sank und schließlich unterging (Indien).

Wasseruhren waren zur Zeit der Römer sehr verbreitet und im täglichen Gebrauch so häufig, dass eine Anzahl von stehenden Redensarten daraus entstand. Vor Gericht dienten sie zur Festlegung der Redezeit. Tacitus nennt sie daher "Zügel der Beredsamkeit". Auf Wasseruhren beziehen sich die Ausdrücke wie: "aquam sustinere" d. h. den Wasserfluss unterbinden, "aquam perdere", in den Tag hineinreden, oder auch, was offenbar häufig vorkam, "Aqua haeret" das Wasser bleibt hängen, die Ausflussöffnung ist verstopft.

Abbildung nebenan, zeigt eine Auslaufwasseruhr in der im Altertum gebräuchlichen Form. Es handelt sich um eine Uhr des ägyptischen Königs Amenophis 111. aus der Zeit um 1400 v.Chr. Die besondere Form eines stumpfen Kegels sollte bewirken, dass das Wasser aus der kleinen Öffnung am Boden gleichmäßig ausfloss. Die im Inneren an der Gefäßwand angebrachten Stundenmarken haben daher gleichen Abstand. Die exakte Theorie besagt, dass das Ausfließen dann gleichmäßig erfolgt, wenn die Wände des Gefäßes die Form einer Parabel 4. Grades haben. Bei der königlichen Wasseruhr sind die Gefäßwände jedoch gerade, ihre Neigung beträgt 1:3, wobei der obere Durchmesser des Gefäßes doppelt so groß ist wie der untere. Ein gleichmäßiges Ausfließen des Wassers konnte damit nur unvollkommen erreicht werden, die Uhr geht am Ende ihrer Laufzeit erheblich nach.

Die Außenwand der aus Alabaster gefertigten Uhr ist auf das kostbarste verziert. Sie trägt in drei tiefblauen Streifen reiche Einlagen aus bunten Steinen und Fayencen. Der unterste Streifen zeigt den König selbst inmitten der 12 Monatsgötter, die beiden oberen Streifen stellen den gestirnten Himmel dar mit Sonnen- und Mondgott, den Fixsternen mit Sternbildern und den Bildern der Planeten. Die Uhr war also schon im Altertum nicht nur Zeitmesser allein, sondern auch kunstvoll gestaltetes Schmuckstück.Prinzip der Wasseruhr des Ktesiobios (etwa 260 v.Chr.)

In Abbildung unten ist das Prinzip einer Wasseruhr aus dem 3.Jahrhundert v.Chr. wiedergegeben, die durch ihren komplizierten Mechanismus bemerkenswert ist. Ihr Erfinder war Ktesibios, ein griechischer Mechaniker, der etwa von 300 bis 260 v.Chr. in Alexandria lebte. Außer Wasseruhren konstruierte er auch noch Wasserorgeln, ein Pressluftgeschütz und eine doppelt wirkende Pumpe mit Windkessel.

Vitruvius gibt in seinem Buch "De archltectura", eine Beschreibung dieser Uhr, deren Funktion wir uns danach folgendermaßen vorstellen müssen: Ein mit Wasser gefälltes Vorratsgefäß besitzt unten eine Mündung, die Ktesiblos aus einem Stück Gold ausarbeitete oder mit einem durchbohrten Edelstein versah. Da nun das Wasser ganz gleichmäßig durch diese Mündung hindurch in ein anderes Gefäß fließt, hebt es ein umgestürztes Becken, auf dem ein senkrechter Stab angebracht ist, empor. Der Stab ist mit gleichmäßigen Zähnen besetzt, welche in Verbindung mit einer Drehscheibe die langsame, gleichmäßige Drehbewegung einer Säule verursachen. Auf dieser sind Monate, Tage und Stunden markiert. Wegen der ungleich langen Tagesstunden im Verlauf des Jahres sind die Stundenlinien gekrümmt. Eine Figur, die oben auf dem Stab steht, weist mit einem Zeigestock auf Tag und Stunde hin.

Wasseruhren hatten den großen Vorteil, dass durch das fließende Wasser eine Kraft zum Antrieb der verschiedensten Mechanismen zur Verfügung stand. Es entstanden bis in die Neuzeit herein Meisterwerke einer kunstfertigen Mechanik; Kostbarkeiten, die als Geschenke für Kaiser und Könige geeignet waren. So erhielt Pipin der Kleine von Papst Paul 1. eine wundervolle Wasseruhr, Kallf Harun al Raschid sandte Karl dem Großen zur Krönung ein derartiges Wunderwerk, und im Jahr 1231 machte Sultan Saladin Friedrich 11. eine in Bagdad hergestellte berühmte astronomische Wasseruhr zum Geschenk.

Die Wasseruhr, von den Griechen "Klepsydra" (Wasserdieb) genannt, gab es als Auslaufuhr und als Einlaufuhr. Sie soll von den Ägyptern im 3. vorchristlichen Jahrtausend erfunden worden sein; die älteste uns erhaltene Wasseruhr stammt aus dem 15. Jahrhundert V. Chr. Die Uhr bestand aus einem konischen Gefäß mit Marken an der Innenseite und einer oder mehreren Öffnungen dicht über dem Boden. Die Auslaufuhr wurde mit Wasser gefüllt; die Markierungen erlaubten am Absinken des Wasserspiegels die seit dem Einfüllen verstrichene Zeit festzustellen. Die Einlaufuhr hingegen wurde auf eine Wasseroberfläche gelegt; bei ihr markierte das Ansteigen des Wasserspiegels im Behälter den Ablauf der Zeit.

Große Verbreitung fanden die Wasseruhren in Griechenland und Rom. Sie wurden später durch Mechanismen vervollkommnet, die astronomische Angaben ermöglichten und Automatenfiguren bewegten. Bewahrt wurde das antike Erbe durch die Araber, die die Entwicklung weiter vorantrieben. Sinnvolle Vorrichtungen ermöglichten es, den Zeitablauf hörbar zu machen: Manche Wasseruhren waren mit Figuren ausgestattet, die zu jeder Stunde eine entsprechende Zahl von Kugeln auf laut tönende Gongs fallen ließen. Räderwerke bewegten Ziffernkreise an Fensterchen vorbei, in denen so die Zeit optisch angezeigt wurde.

Auch im Fernen Osten, im "Reich der Mitte", wurde die Wasseruhr im Lauf der Jahrhunderte immer stärker "automatisiert". Hier ging man, soweit bekannt ist, erstmals dazu über, die Zeit durch zerteilen des Zeitflusses zu messen.

Eine in der Pekinger Nationalbibliothek aufbewahrte chinesische Handschrift aus dem Jahre 1090 n. Chr. berichtet von einer Wasseruhr, die ein gewisser Su-Sung für die Palastgärten in Kai-Feng erbaute. Die "Himmelsmaschine", die im Jahr 1066 entstanden sein soll, war insgesamt zehn Meter hoch. Die Verkleidung des zylinderförmigen Baus wies fünf Öffnungen auf, in denen Täfelchen sowie Figuren mit Zimbeln und Gongs die Zeit angezeigt haben. Ungemein interessant war der Mechanismus. Ein Rad von etwa vier Meter Durchmesser wurde von einem gleichmäßig fließenden Wasserstrahl so angetrieben, dass am Radumfang befestigte Behälter gefüllt wurden; hatte ein Behälter ein bestimmtes Gewicht erreicht, so wurde durch eine einfallsreiche Vorrichtung eine Hemmung so lange gelöst, bis der nächste Becher sich unter dem Wasserstrahl befand; danach wurde das Rad wieder arretiert. Dieser Reguliermechanismus nahm bereits die mechanischen Hemmungen vorweg, wie sie später in den Räderuhren verwirklicht wurden. Ein Hebelmechanismus bewegte die Figuren und Tafeln, welche die Zeit anzeigten. Leider ist außer der Beschreibung von diesem Wunderwerk nichts erhalten geblieben.

 

Das Mittelalter

Weite Verbreitung in der ganzen antiken Welt fanden Sonnenuhren kleineren Formats, die sich ab dem 15. Jahrhundert auch im Abendland größter Beliebtheit erfreuten. Führend in der Herstellung solcher Uhren waren im ausgehenden Mittelalter und während der Renaissance Deutschland, England, Frankreich und Sonnenuhr 16 JahrhundertÖsterreich. Im 15. und 16. Jahrhundert begeisterte man sich für die Vielflächen- Sonnenuhren. Solche Uhren wurden in allen Größen gefertigt. Sie hatten den Vorteil, sich ohne Zuhilfenahme eines Kompasses exakt ausrichten zu lassen: Die Uhr war dann genau ausgerichtet, wenn alle von der Sonne beschienenen Flächen die gleiche Zeit angaben. Die im Besitz des Science Museum in London befindliche Würfeluhr wurde 1570 von dem Olivetankermönch Stefano Bonsignori geschaffen. Solche Uhren waren oft mit Pergament überzogen und reich geschmückt. Stets mussten die Sonnenuhren auf einen bestimmten geographischen Breitengrad geeicht werden, gaben also nur auf dieser Breite die genaue Zeit an. Tragbare Sonnenuhren versah man deshalb mit Vorrichtungen, die es ermöglichten, sie auf unterschiedliche geographische Breiten einzustellen.

Die Hohlflächensonnenuhr, hat Vorfahren bereits in der Antike. Die griechische Skaphe ist mindestens für das 3. vorchristliche Jahrhundert nachweisbar. Sie bestand aus einer ausgehöhlten Halbkugel, deren offene Seite mit einem Schattenwerfer im Zentrum dem Zenit zugewandt wurde. Ihre Tradition wurde bis in die Neuzeit hinein fortgeführt. Aus dem Jahr 1596 stammt die kostbare Hohlflächensonnenuhr in Becherform, die - heute im Science Museum in London ausgestellt - auf 42 Grad nördlicher Breite, also auf die Breite von Rom, kalibriert ist. Im Katalog des Museums heißt es, dass das prachtvolle Stück wahrscheinlich von einem italienischen oder süddeutschen Meister gefertigt wurde.

Kerzen und Öluhren

Es sind Uhren die gegenüber den Wasseruhren den Vorteil haben, dass man die Zeit bei Dunkelheit ablesen kann. Sowohl bei der Kerzenuhr wie auch bei der Öluhr verzehrt eine Flamme den Brennstoff. Die Länge der Kerze wie auch die Höhe des Ölstandes im Vorratsbehälter stellen ein Maß für die verflossene Zeit dar.Öllampenuhr 18. Jahrhundert

Die Idee, das Abbrennen von Stoffen zur Zeitmessung zu verwenden, ist sehr alt, doch sind Oberlieferungen aus frühester Zeit recht spärlich. Mit Sicherheit haben Uhren der abgebildeten Art den Nachtwachen der Städte und den Mönchen in den Klöstern die Zeit angezeigt. Klosterbrüder, die als Wächter bestellt waren, führten die Aufsicht über die Uhren, von denen es im Kloster mehrere gab. In den "Gebräuchen von Hirschau" (10. und 11.Jahrhundert) wird berichtet: "Der "Vigilgallus" ist besorgt und richtet die Uhr sorgfältig. Weil es aber vorkommen kann, dass diese unrichtig geht, so soll er die Zeit bestimmen an der Kerze oder nach dem Lauf der Gestirne, damit er die Brüder zur vorbestimmten Zeit wecken könne...,"

Über die Öluhr gibt es folgende Beschreibung:

Die Öluhr besteht eigentlich nur aus einer Lampe, deren Glasbehälter unten eine kleine Öffnung hat, durch die das Brennöl von einem Docht angesaugt wird. Das Gestell der Lampe ist aus Zinn gearbeitet, ebenso die am Ölbehälter angebrachte Stundenskala. Letztere trägt die Stunden von abends 6 bis morgens 8 Uhr. Die Stärke des Dochtes war so gewählt, dass das Öl in der Lampe von der Flamme in vierzehn Stunden aufgezehrt wurde. Füllte man abends 6 Uhr den Ölbehälter bis zum obersten Teilstrich und brannte die Lampe an, so hatte man während der ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern annähernd auch die Zeit, welche durch die Oberfläche des langsam sinkenden Ölspiegels angezeigt wird. Der Ölbehälter bekam später die Form einer Birne, damit auch die einzelnen Stunden in möglichst gleicher Länge angezeigt wurden, weil der Druck des Öles, wenn es aufgefüllt war, einen zu raschen Brand des Lichtes in einem ganz zylindrischen Glas erzeugte.Hohlflächensonnenuhr 16. Jahrhundert

Wann und wo zum, erstenmal das gleichmäßige Abbrennen von Stoffen zur Zeitmessung verwendet wurde, ist nicht bekannt. »Feueruhren« muss es schon sehr früh gegeben haben. In China waren sogenannte Duftuhren verbreitet: Langsam abbrennende Räucherkerzen waren so graduiert, dass man am Stand der wandernden Glut die Zeit ablesen konnte. Ebenso einfach, aber wirkungsvoller waren chinesische »Wecker«: man legte die angezündeten Stäbchen in oft reich verzierte »Schiffe« und spannte je nachdem, wann man geweckt werden wollte, einen Seidenfaden mit an den Enden befestigten Kugeln über das Stäbchen. Sobald die Glut diese Stelle erreichte, brannte der Faden durch, und die Kugeln fielen auf einen Gong. Im Prinzip gleich waren die »Kerzenuhren«, von denen u. a. spanische Chroniken berichten. Auch sie wiesen Markierungen auf, so dass die im Lauf der Zeit kleiner werdende Kerze ein wenn auch nicht sehr genauer Zeitmesser war. Kerzenuhren wurden in Klöstern viel verwendet. Je dicker die Kerzen, desto länger waren die Zeitabschnitte, die man mit ihnen messen konnte. Wenig wissen wir auch über die Herkunft der Öluhren. Sie wurden in Mitteleuropa erst ab dem 17. Jahrhundert häufiger, waren aber dann bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Der den gläsernen Ölbehälter umschließende Metallbügel ist graduiert, so dass der beim Brennen der Lampe allmählich sinkende Ölspiegel die Zeit angibt. Öllampen waren besonders praktisch als Nachtuhren, lieferten sie doch gleichzeitig Licht, was vor dem Zeitalter der Elektrizität eine große Annehmlichkeit bedeutete.

Sanduhren

Wer heute mit Hilfe einer Eieruhr sein Frühstücksei kocht, denkt wohl kaum daran, dass dieses Instrument schon bei den Arabern eine große Rolle spielte. Freilich lässt sich nicht genau sagen, wann es erfunden wurde. In antiken Berichten und Darstellungen findet sich keine Spur davon. Sanduhren bestehen aus zwei mit der Spitze verbundenen, meist kegelförmigen Behältern; durch eine enge Öffnung rinnt der Sand langsam aus dem oberen in den unteren Behälter. Bei Eieruhren dauert es drei bis fünf Minuten, bis der obere Behälter leer ist; große Sanduhren, wie sie früher beispielsweise in der Schifffahrt gebraucht wurden, hatten eine »Laufzeit« bis zu vier Stunden. In der Regel aber dienten die Sanduhren zur Messung kürzerer Zeitabschnitte. Besonders häufig verwendet wurden sie ab dem späten Mittelalter als Kanzeluhren, um die Länge der Predigt kontrollieren zu können. Auch allzu redefreudige Anwälte und Richter wurden in den Gerichtssälen durch Sanduhren gebremst. Wenn die Uhr abgelaufen war, brauchte man sie nur umzudrehen; sinnvolle Zähleinrichtungen, die am Rahmen angebracht waren, gaben an, wie oft eine Uhr abgelaufen war.Sanduhr aus dem 16. Jahrhundert

Erste Hinweise stammen aus dem 14. Jahrhundert. In diese Zeit muss die Erfindung der Sanduhr fallen. Im 16. Jahrhundert wird sie als allgemein bekannt erwähnt.

Abbildung rechts zeigt eine einfache Sanduhr aus dem frühen 16. Jahrhundert. Ihre Form hat sich bis heute nicht geändert. Sie besteht aus einem doppelt konischen Gefäß, wobei die Spitzen der Konen gegeneinander gerichtet sind. Das Geheimnis einer guten Sanduhr liegt in der Ausführung der Öffnung, durch die der Sand rieselt, und in der Art und Aufbereitung des Sandes. Wenn wir über das 1339 verfasste Rezept:

Man nehme Mehl von schwarzem Marmor, das neunmal gründlich in Wein gekocht, neunmal abgeschäumt und neunmal an der Sonne getrocknet wird".

heute etwas lächeln, so ist doch verständlich, dass Art und Beschaffenheit des Sandes für die Funktion der Sanduhr von großer Bedeutung sind. Die Sanduhrmacher des Mittelalters müssen damals ähnliche Probleme mit dem genauen Gang ihrer Uhren gehabt haben wie die modernen Uhrmacher mit der Regulierung der Räderuhren heute. Die Schwere des Sandes hatte ja Einfluss auf die Ablaufgeschwindigkeit, ferner war zu berücksichtigen, dass sich der Sand nach und nach zerrieb, also feinkörniger wurde, und die Ablaufzeit sich verkürzte, und schließlich wurde durch scharfkantigen Sand die Durchflussöffnung allmählich ausgeschliffen und erweitert. Besonders bewährt hatte sich ein schwerer, bleihaltiger Sand, wie er in der Gegend von Venedig vorkam. Dem Blei wird dabei. eine Schmierwirkung zugeschrieben, so dass das Glas weniger angegriffen und der Sand selbst nicht so schnell zerrieben wurde. Auch Sand aus der Umgebung von Nürnberg war begehrt. Da auch die Glasgestaltung äußerst wichtig war - 1536 erschien eine Abhandlung über die Technik, die Einschnürung herzustellen -, finden wir Sanduhrmacher dort, wo auch die Glasbläserkunst in hoher Blüte stand, beispielsweise in Venedig.

Auch als die Räderuhr schon weit verbreitet war, wurden die Sanduhren verwendet, um Rednern die Zeit zuzumessen - auf Kanzeln, in Gerichtssälen, bei Auktionen. Eine vierfache, kippbare Sanduhr für Zeiten von 15, 30, 45 und 60 Minuten als Kanzeluhr. Auch beim sog. "Logen", um die Geschwindigkeit eines Schiffes zu bestimmen, bediente man sich einer Sanduhr, die gewöhnlich 14 Sekunden lief.

Wasser, Öl, und Sanduhren haben eines gemeinsam: sie registrieren den stetigen Ablauf eines Vorgangs nach statistischen Gesetzen. Ihre Aufgabe war es, unter sich gleiche Zeitspannen zu messen, nicht aber den täglichen Zeitablauf in bestimmte Abschnitte zu teilen. Dies taten die späteren Pendel und Räderuhren mit Schwungsystem, über die im folgenden berichtet wird, mit weit höherer Genauigkeit.

Für die damalige Zeit galt noch der Ausspruch Senecas, wonach eher Philosophen miteinander übereinstimmen als Uhren: "Horam non possum certam tibl dicere, facilius inter pholosophos convenit quam inter horologia"....er hatte also von den Uhren seinerzeit nicht gerade die beste Meinung.

Das Prinzip der Räderuhr

Räderuhren im eigentlichen Sinn sind keineswegs alle Uhren, die Zahnräder aufweisen; Zahnräder gab es schon in der bereits geschilderten chinesischen »Himmelsmaschine«. Vielmehr verstehen wir darunter jene Uhren, die ohne Bezug auf astronomische Gegebenheiten mit Hilfe eines Räderwerks mechanisch den Zeitablauf messen. Dazu ist es nötig, den Zeitfluss in möglichst gleichmäßige Einheiten zu unterteilen, die dann automatisch gezählt und addiert werden. Dementsprechend muss jede Räderuhr zunächst eine Vorrichtung aufweisen, die dem zerteilen der Zeit dient. In den ältesten Uhren war das die gleichmäßig schwingende Waag, die in kleineren Uhren später durch die Unruh ersetzt wurde. Die Schwingung dieses Elements liefert das Zeitnormal, also die zu addierenden Zeiteinheiten. Die Summe der Schwingungen wird durch einen entsprechenden Mechanismus angezeigt. Um die Uhr in Gang zu halten, muss dem Werk ständig Energie zugeführt werden. Dazu nützt man entweder die Schwerkraft (Gewichtuhr) oder die in einer Feder gespeicherte Kraft (Federzuguhr).
Die älteste uns bekannte Räderuhr ist folgendermaßen gebaut: Die Waag besteht aus dem auf einer Spindel waagerecht gelagerten Waagbalken, dessen Schwingungsdauer durch verschieb- oder auswechselbare Gewichte verändert werden kann. Auf der Spindel sind zwei Lappen aus Metall angebracht, die abwechselnd in die Zähne des vom Uhrgewicht angetriebenen Kronrads eingreifen. Das Kronrad teilt der Waag kontinuierliche Impulse mit, so dass sie in ständiger Schwingung gehalten wird; andererseits wird das Kronrad nach jeder halben Schwingung der Waag durch einen der beiden Lappen gehemmt. Man bezeichnet diesen Mechanismus als Waaghemmung. Das Hemmwerk zählt die von der Waag ausgeführten Schwingungen. Deren Summe wird über ein Räderwerk der Zeitanzeige zugeführt. Die Zeitanzeige bestand in der ältesten Zeit aus einem Zifferblatt, das sich langsam drehte (ein am Uhrgehäuse bzw. dem Bauwerk angebrachter starrer Zeiger wies die Zeit), bald jedoch aus einem drehbaren Zeiger (Stundenzeiger), der über ein feststehendes Zifferblatt strich. Der Minutenzeiger kam erst wesentlich später auf.
Die Antriebskraft lieferte für Jahrhunderte das Gewicht, ein Stein oder Metallklotz, der an einer Schnur befestigt war. (Wanduhren und Standuhren mit Metallgewichten werden noch heute hergestellt, so die weltweit beliebten Schwarzwälder Kuckucksuhren.) Um die Uhr aufzuziehen, muss die abgelaufene Schnur von Zeit zu Zeit wieder zurückgewickelt werden. Dazu dreht man mittels einer Kurbel (später durch den »Schlüssel« ersetzt) die Trommel in gegenläufiger Richtung. Eine Sperrvorrichtung klinkt währenddessen das Räderwerk der Uhr aus.Pendelregulator 18. Jahrhundert

Alle Bestandteile der Räderuhr, von der Waaghemmung abgesehen, waren schon früher bekannt und hatten für die unterschiedlichsten Mechanismen Verwendung gefunden. Doch erst die Waaghemmung, deren Erfinder uns nicht bekannt ist, ermöglichte durch ständige Energiezufuhr ein gleichmäßiges Zeitnormal, das sich mechanisch addieren ließ. Wann, wo und von wem die ersten Räderuhren mit mechanischem Hemmwerk gebaut wurden, ist nicht bekannt. Jedenfalls geschah dies im ausgehenden 13. Jahrhundert, möglicherweise in Spanien, aber auch Frankreich kommt als Heimat der Räderuhr in Frage.

Vom Turm ins Haus

An die Stelle des drehbaren Zifferblatts trat bald der drehbare Stundenzeiger. Außerdem erwachte früh schon die Freude an kunstvollen Automaten. Die Turmuhren in Orvieto und Venedig zeigen bronzene Figuren, die mittels eines einfallsreichen Hebelmechanismus die Stunden schlagen. Bald versuchte eine Stadt, eine Pfarrei, die andere auf diesem Gebiet zu übertreffen. Man schuf Automaten, die regelrechte »Schauspiele« darboten: Figuren, die beim Stundenschlag verschiedenartigste Bewegungen ausführten, in Prozession vor dem Zifferblatt oder vor einer Marienfigur vorbeizogen, Engel, die in eine Posaune bliesen (dazu wurde automatisch eine hinter der Figur verborgene Orgelpfeife betätigt) und vieles andere mehr.
Früh schon zeichnete sich eine neue, für die gesamte Entwicklung richtungweisende Tendenz ab: das Streben nach Miniaturisierung. Die Uhrwerke wurden kleiner, handlicher, und so fanden die Räderuhren Eingang in die Säle von Klöstern und Palästen. Wo diese Entwicklung zuerst einsetzte, lässt sich nicht sagen; die uns erhaltenen Uhren aus dem frühen 14. Jahrhundert wurden in der Hauptsache in Deutschland, Österreich, England, Frankreich und Italien gefertigt. Zimmeruhren waren in der ersten Zeit als Säulenuhren ausgebildet: Auf eine freistellende Säule wurde das Uhrwerk so gestellt, dass sich das Gewichtseil frei abwickeln konnte (alle Uhren dieser Zeit hatten Gewichtantrieb). Wenig später ging man dazu über, Uhren an die Wände zu hängen. Bei den Wanduhren unterscheidet man zwei Typen: Uhren in Flachrahmenbauweise und Uhren in Prismenbauweise. Beide wurden nahezu unverändert von der Mitte des 14. bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert hergestellt. Dazu trat bald die sogenannte "Laternuhr", die sich bis weit ins 17. Jahrhundert hinein hielt.

Die Renaissance

Die wachsende Nachfrage führte zur Ausbildung des neuen Berufsstandes der Uhrmacher. Bis dahin waren die eisernen Uhrwerke von Schmieden gefertigt worden; allmählich aber traten Kupfer, Bronze oder Messing an die Stelle des Eisens. Die Uhrenformen der Gotik behielt man zunächst im wesentlichen bei. Doch schon im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde, vielleicht in Italien, eine Erfindung gemacht, die eine neue Entwicklung in Gang setzte - der Federantrieb. Während beim Gewichtantrieb die Schwerkraft die für die Bewegung des Uhrwerks erforderliche Energie liefert, nützt man beim Federantrieb die in der aufgezogenen Feder gespeicherte Energie, die durch einen sinnvollen Hemm-Mechanismus nach und nach an das Werk abgegeben wird. Zunächst stellte man Versuche mit Torsionsfedern an, doch kam man auf diesem Weg nicht zu befriedigenden Ergebnissen.Einzeiger Halsuhr um 1600.

1504 konstruierte der Schlosser Peter Henlein eine Taschenuhr, die heute in der Memorial Hall in Philadelphia (USA) ausgestellt wird. Sie hatte einen Federzug, lief 24 Stunden und schlug jede Stunde. Sonstige Kleinuhren von P. Henlein sind nicht erhalten. Auch die Bezeichnung "Nürnberger Ei" ist irreführend und hat unmittelbar nichts mit der Eiform der frühen tragbaren Uhren zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Verballhornung des lateinischen Wortes Hora (Stunde), das über Ora, in der Verkleinerungsform zu Orelein und Örelein, schließlich zu Eierlein wurde. Populär wurde Henlein durch die Novelle von Carl Spindler "Der Nürnberger Sophokles".

Durch den Federantrieb wurde die Uhr ortsunabhängig. Reiche Bürger trugen sie an einem Halsband oder befestigten sie an der Kleidung (Bisamapfeluhr), ab etwa 1520 am Handgelenk und später dann als Taschenuhr. Die Energie der Antriebsfeder nimmt mit nachlassender Spannung ab.

Die Feder bestand aus einer langen, durch Schmieden gehärteten Stahllamelle, deren eines Ende an einer Achse befestigt war, während das andere über das umschließende Federhaus mit dem Uhrwerk verbunden war. Wird die Feder mit Hilfe eines Vierkantschlüssels fest auf die Achse aufgewickelt, so speichert sie Energie, die dann über das Federhaus das Werk antreibt.

Der Federantrieb brachte für die Uhrmacherei zwei wesentliche Fortschritte: Man konnte die Uhren noch mehr verkleinern, also tragbare Uhren schaffen, und man war jetzt nicht mehr - wie bei der Gewichtuhr - von der Wirkung der Schwerkraft abhängig, was bedeutete, dass Uhren mit Federantrieb in jeder beliebigen Lage funktionierten.

Diese Möglichkeiten wurden von den Uhrmachern der Renaissance rasch genützt. Die süddeutschen Handelsstädte, an erster Stelle Augsburg und Nürnberg, gehörten damals zu den Zentren europäischer Uhrmacherkunst. Die schönsten und kompliziertesten Uhren wurden im Auftrag hoher weltlicher oder geistlicher Fürsten gefertigt, oft nach detaillierten Vorschriften der Besteller.

Das 17. Jahrhundert

Federn und Gewichte lieferten weiterhin die Antriebskraft für die Uhren. Die Waag wurde, zunächst bei Kleinuhren, teilweise durch die "Unruh" verdrängt, einen Metallreif, dessen Schwingungsdauer durch in die Peripherie eingesetzte Schrauben veränderlich war, während die Schwingungsweite durch verschiedene Vorrichtungen (Schweinsborsten, Stifte usw.) begrenzt wurde.Laternuhr 18. Jahrhundert

Während die Werke der Großuhren weitgehend noch aus Eisen geschmiedet wurden, verwandte man für kleinere Uhren in zunehmendem Umfang andere Metalle, die sich besser bearbeiten ließen und die Herstellung von verhältnismäßig präzisen Mechanismen erlaubten. Der Minutenanzeige diente zunächst ein Hilfsblatt mit eigenem Zeiger. Die erste bekannte Uhr mit koaxialen Minuten- und Stundenzeigern ist 1587 entstanden. Der Mechanismus unterschied sich noch von dem heutigen.

Diese Achsenanordnung von Stunden- und Minutenzeigern, ineinander gesteckte feine Rohre, scheinen die Uhrmacher Englands, die Mitte des 17. Jahrhunderts in der Uhrenherstellung führend waren, mehr und mehr benutzt zu haben. Beide Achsen werden gemeinsam von der Minutenradwelle angetrieben.

Die Uhrgehäuse waren damals teils aus Eisen oder Holz, oft aber auch aus Silber, aus vergoldetem Kupfer (manchmal mit Bergkristall oder Topas), selten aus massivem Gold. Der kunstvolle Dekor war den damaligen Uhrenliebhabern wichtiger als wertvolles Material. Zur Verzierung der Uhren dienten Marmor, Elfenbein, Bernstein und verschiedene Halbedelsteine. Der Emaildekor, zunächst als Zellschmelz, kam im ausgehenden 16. Jahrhundert auf, Emailmalereien nach 1630, vor allem für Kleinuhren, die man jetzt mit sorgfältig gearbeiteten Lederetuis versah. Die Taschenuhren des 17. Jahrhunderts waren in der Regel verhältnismäßig hoch, weshalb man sie als "Zwiebeln" bezeichnete - ein noch heute scherzhaft gebrauchter Ausdruck. Die Zentren der Taschenuhr - Herstellung wurden jetzt die Schweiz und England.

Sack- und Taschenuhren aus Deutschland und Osterreich

Nürnberg kann als die Wiege der deutschen Kleinuhr betrachtet erden. Von hier verbreitete sich die handwerkliche Herstellung der Federzuguhren rasch nach anderen Städten des Reiches, und es ab in der Mitte des 16. Jahrhunderts kaum eine größere Stadt in Deutschland, in der nicht Kleinuhrmacher ansässig waren, die solche "Hals- und Brustuhren" handwerklich herstellten!

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts konnte man in einzelnen Städten, so in Augsburg, beinah von einer Uhrenindustrie sprechen, so viele Uhrmacher arbeiteten Hand in Hand und stellten in einer gewissen Arbeitsteilung mit Goldschmieden und Gehäusemachern die schönen Uhren und Uhrwerke in vielen Formen und Ausführungen her.

Für den Uhrensammler sind die ersten Exemplare solcher deutschen Kleinuhren heute nicht mehr zu beschaffen, diese Halsuhren sind meist nur noch in Museen zu sehen. Die flachen und runden dosenförmigen Uhren, welche meist in durchbrochenen, künstlerisch ausgestatteten Gehäusen mit Ring und Ösen versehen als Halsuhren im Gebrauch waren, finden sich noch auf Gemälden des 17. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte ändert sich die äußere Form der Halsuhr in die ovale, und vor 1600 finden wir die Kleinuhr in fantastische Umkleidungen wie Kreuze, Nußschalen, Bücher, Tiere usw. gebracht.

Das 17. Jahrhundert bildete in Deutschland allmählich die Eiform der Kleinuhr heraus, die man als Nürnberger Eier (Eyerlein) bezeichnet und fälschlich lange Zeit als früheste Taschenuhr angesehen hat.

Um 1620 verliert sich die ovale Form, und es entstehen runde Taschenuhren von mäßiger Größe. Das Gehäuse wird auch bei den deutschen Taschenuhren mit prächtigen Emailmalereien verziert, auch das Uhrwerk bekommt durch Gravierung der Kloben und Pfeiler feine Ausstattung. Solche Uhren wurden viel in Augsburg und Nürnberg, aber auch in Ulm und anderen süddeutschen Städten hergestellt und dienten wohl zuerst den damals herrschenden Fürstlichkeiten häufig als Geschenk für Bevorzugte. Mit der Herrenmode um 1625, die Uhren in der Tasche zu tragen, wurde die äußere Ausstattung der Uhrgehäuse häufig weit einfacher, wofür jedoch das Uhrwerk mit Platine, Spindelkloben, Platinenpfeilern (Werkpfeilern) usw. um so prächtiger verziert wurde.

Um 1640 muss die Idee aufgetaucht sein, das Uhrgehäuse in einem besonderen Übergehäuse zu bewahren, welches nicht selten von einem zweiten Übergehäuse geschätzt war, wodurch das erste Gehäuse wiederum geschmückt wurde durch Gravierung, Durchbruch (Repercee) und später durch Email. Die ursprünglichen runden Halsuhren aus vergoldeter Bronze hatten wie die späteren Taschenuhren Dosenform, nur waren sie bedeutend dicker; sie glichen oft den runden Seifenstückchen; daher der Name "Savonnette", der noch heute für Taschenuhren mit Sprungdeckel gebräuchlich ist.

Der Dreißigjährige Krieg hat diesem einst blühenden Gewerbefleiß der Uhrmacher in den süddeutschen Städten ein Ende gesetzt, und nur spärliche Reste hielten sich in Österreich und Böhmen und in dem Raum zwischen Rhein, Main und Donau. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts kann auch in Deutschland und in Österreich wieder von einer nennenswerten Uhrmacherkunst gesprochen werden. Es werden jetzt wieder Taschenuhren in guter Qualität gefertigt; Vorbilder waren zuerst französische und englische Kleinuhren. Die Ausschmückung der deutschen Taschenuhren ist zumeist bescheiden, doch es treten interessante Varianten in den Dekors auf.

Durch die Anwendung der Unruh-Spiralfeder werden die Unruhen größer, die Durchmesser der Spindelkloben (Spindelbrücken) nahmen zu, sie waren durch reiche Gravierarbeiten und Durchbruchdekorationen verziert. Von Bedeutung wurde die Kleinuhrmacherei nur in wenigen Städten, so zum Beispiel in Friedberg bei Augsburg, in Augsburg selbst und auch schon in Pforzheim.

Von der Friedberger Uhrmacherkunst wird um die Mitte des 18. Jahrhunderts berichtet: "Damals war die Uhrmacherei zu Friedberg bereits so zur Entfaltung gekommen, dass eine fast fabrikmäßige Arbeitsteilung Platz gegriffen hatte. Eine Person schaffte der anderen in die Hand; auch Frauen und Mädchen waren bei der Herstellung der Uhren mit tätig.

Neben den eigentlichen Uhrmachern gab es z. B. eigene Gehäusemacher, welche gelernte Goldschmiede waren und die schönen, getriebenen Hüllen machten, ferner eigene Stockuhrfedermacher, eigene Sackuhrschlüsselmacher, eigene Stecher, welche die Vorgestech - und Gehäuse - und auch andere Stecharbeit für die Kleinuhrmacher besorgten, eigene Uhrkettlmacherinnen "für die Kettl in die Felduhren", dann "Säglein- und Feilenmacherinnen" (etliche Uhrmacherfrauen und Töchter), so die "allersubtilisten, kleinen englischen Sägeln und Feilen verfertigten, womit Eisen und Messing, Zieraten und Buchstaben aufs feinste geschnitten werden konnten".

Friedberger Uhren waren zu jener Zeit in aller Herren Länder. Sie schmückten ebenso die Taschen Pariser Elegants, wie sie die müßige Zeit englischer Lords gemessen haben. Ja, sogar Uhren und Uhrenteile (Kloben, Brücken, Werke) gingen bis nach London, um dort mit englischer Signatur verkauft zu werden! Für den Sammler insofern interessant, dass auf englische Signaturen in diesen Zeiten nicht immer Verlass ist. Neben Prunkuhren wurden auch einfachere Taschenuhren in Deutschland gefertigt. Es gab viele Meister in fast allen Städten, die einfache Bauernuhren herstellten. Manche dieser Uhren schmeckten Email-Plaketten auf Zifferblatt und Gehäusen bei Prunkuhren. Andere sind durch Gravierung, Ziselierung der Gehäuse und Zifferblätter geschmückt. Eine Fülle von Fantasie entströmt diesen Spezies. Abgesehen von den Meisterstücken waren die damaligen Augsburger und Friedberger Uhren im allgemeinen Gebrauchsgegenstände. Ihre Kloben und Werkbrücken zeigten durchbrochene, laubsägearbeitähnliche Verzierungen mit Blumengerank, Vögeln und Fratzengesichtern.

An der herberen, ernsten Linienführung kann heute der Sammler die deutschen Kloben von den feineren Pariser Arbeiten wohl unterscheiden. Das ist wesentlich bei unsignierten Taschenuhren um 1800, die meist aus Friedberg stammen mögen. Die Bauernuhren mit Schildpatt- (Schildkröt-) Übergehäuse waren seinerzeit beliebt wie die mit feinem Leder überzogenen Uhrschalen. Es entstanden Uhrenmanufakturen in Berlin, Pforzheim und im österreichisch süddeutschen Raum, und daneben bauten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche handwerklich arbeitende Uhrmacher ihre Bauernuhren - dicke Silbertaschenuhren (Zwiebeln, in Wien "Brater" genannt). Diese sind heute beliebte Sammelobjekte, besonders in Verbindung mit einer Uhrkette, die mit "Charivari" behangen ist. Uhrenliebhaber, die die Züge der Entwicklung der deutschen Taschenuhr in ihrer Sammlung mit aufzeigen wollen, werden nicht daran vorbeigehen.

Erst seit 1850 entwickelte sich in Deutschland wieder allmählich eine nennenswerte Uhrenindustrie, die feine und preiswerte Taschenuhren herstellte. Im Sächsischen Erzgebirge wurde 1845 durch Friedrich Adolf Lange die Glashütter Taschenuhrenfabrikation begründet, die sich auf die Herstellung der feinsten Taschenuhren und Chronometer spezialisierte. Glashütter Taschenuhren sind heute begehrte Sammelobjekte geworden. In Schlesien entstand zuerst in Lähn, später in Silberberg im Eulengebirge eine Fabrik, die bis 1914 ebenfalls feine Taschenuhren in nicht allzu großer Zahl hergestellt hat. Eduard Eppner, der Begründer dieser schlesischen Präzisionstaschenuhrenfabrik, hat sich sehr bemüht, und seine Taschenuhren sind heute vielbegehrte Sammelstücke geworden und sind gesucht wie Glashütter Uhren. Im Thüringer Wald, in dem durch seinen Schmied bekannten Städtchen Ruhla, entwickelte sich um die Jahrhundertwende die Taschenuhr aus einer billigen Spielzeuguhr und ist auch heute ein Sammelobjekt geworden, besonders die Thiel- Wecktaschenuhr.

Für den Uhrensammler finden mehr und mehr Glashütter Taschenuhren der Firmen A. Lange & Söhne (gegründet 1845), J. Assmann (gegründet 1852), Dürrstein & Co. und Glashütter Präzisionsuhrenfabrik Union Beachtung. Durch fortgesetzte Verbesserungen entstand in der Lange-Taschenuhr eine Präzisionsuhr, die, sowohl was das Gehäuse als auch die Uhrwerke betrifft, geradezu vollkommen wurde. Diese Taschenuhren stehen in bezug auf die Werk- und Gehäuseausstattung ebenbürtig neben den Genfer Präzisionsuhren von Patek, Philippe und Vacheron & Constantin.

Neben den einfachen Uhren in goldenen und silbernen Gehäusen finden sich als Lange-Uhren auch solche mit komplizierten Uhrwerken, wie Viertel- und Minuten-Repetition (Taschenuhren mit Schlagwerk), Chronographen mit einfachem und doppeltem Sekundenzeiger in der Mitte des Zifferblatts, Datumsanzeiger und ewigem Kalender, sowie komplizierte Taschenuhren, in denen alle diese Vorrichtungen vereint sind. Besonders bemerkenswert sind die Tourbillons mit Chronometerhemmung, die in der Uhrenfabrik Lange kurz vor dem Ersten Weltkrieg in einigen Exemplaren gebaut wurden. Die Herstellung von Marine-Chronometern und B-Uhren (Beobachtungsuhren) mit Anker- oder Chronometerhemmung fand bis Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Alle diese Uhren sind heute schon Sammelobjekte, da sie einmalig sind und nicht mehr gefertigt werden.

Aber nicht nur in den Uhrwerken hatten die Fabriken in Glashütte Vorzügliches geleistet, sondern auch in deren äußerer Ausstattung. Die Gehäuse sind in ihrer schlichten Form den Uhrwerken auf das genaueste angepasst. Dekorativ gestaltete Uhrschalen i vollendeter Ausführung zeigen reich gravierte Deckel in künstlerischer Manier nach Entwürfen von bekannten Professoren Graff und Pape, Kunstgewerbeschulen Dresden und Berlin) die Gehäuse weisen auch geschmackvolle Monogramme auf. Besonders kunstvoll ausgeführt sind die Gehäuse aus Silber und Gold.

Uhren gestern

Die Uhrmacherkunst bleibt nicht stehen: Zum einen passte man die äußere Form und den Dekor der Uhren dem veränderten Zeitgeschmack an, zum anderen war man bemüht, die Ganggenauigkeit durch eine Reihe von technischen Neuerungen fühlbar zu verbessern. Immerhin hatte man an der Schwelle zum 18. Jahrhundert schon Beachtliches erreicht: Die mit Pendeln ausgestatteten Uhren besonders sorgfältiger Machart wiesen täglich nur noch Gangabweichungen von rund zehn Minuten auf. Für den Alltagsgebrauch war eine solche Genauigkeit durchaus befriedigend, doch die Wissenschaftler und vor allem die Seeleute verlangten nach noch genaueren Zeitmessern.Bodenstanduhr
Die Taschenuhren wurden kleiner und flacher. Nachdem der Mathematiker Nicoles Fait um 1700 ein Verfahren gefunden hatte, das es ermöglichte, Edelsteine zu bearbeiten und mit Bohrungen zu versehen, und die Uhrmacher Piere und Thomas Debaufre auf den Gedanken kamen, die Radachsen  in durchbohrten Rubinen zu lagern, konnte die technische Vervollkommnung der Taschenuhr rasch voranschreiten. Die Uhren wurden haltbarer und genauer. Dazu trugen auch neu entwickelte Hemmwerke bei, so der von dem Engländer Georg Gramm (1674-1751) erfundene Zylindergang, der Pierre Le Roy zugeschriebene Duplexhemmung und der von Amant erfundene und von j. A. Lepaute und P. A. Caron de Beaumarchais verbesserte Stiftenhemmung.

Uhren waren nun nicht mehr nur ein Privileg der hochgestellten Kreise, sondern fanden zunehmend in die Häuser auch einfacher Bürger und Bauern Eingang. Ein wichtiges Fabrikationszentrum für solche Uhren wurde der Schwarzwald (noch heute werden die Schwarzwälder Kuckucksuhren in alle Welt exportiert). Diese für das einfache Volk bestimmten Uhren mussten preisgünstiger produziert werden. Sie bestanden im wesentlichen aus Holz, dem billigsten Rohstoff der waldreichen südwestdeutschen Landschaft, auch das Räderwerk. Das Gehäuse war in der Regel sehr einfach; meist schmückten Malereien ländlichen Stils die Frontseite. Hölzerne Uhren wurden vor allem auf dem Land gekauft. In Bürgerhäusern waren, wenn man sich keine Prunkuhren leisten konnte, Uhren mit Metallgehäuse Mode.

Die Standuhr

Mit Kompensationspendeln wurden vor allem Bodenstanduhren ausgestattet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sie sich aus der Säulenuhr. Sie hatte gewöhnlich einen allseits geschlossenen Holzkasten und wurde entweder an die Wand angelehnt oder angeschraubt. Im 17. Jahrhundert wurde dieser Uhrentyp in England große Mode; im 18. Jahrhundert wurden englische Bodenstanduhren in alle Welt exportiert und in anderen Ländern vielfach nachgeahmt. Die Uhren zeichneten sich durch außergewöhnliche Ganggenauigkeit aus; die Uhrwerke waren verhältnismäßig einfach und deshalb sehr dauerhaft. Bodenstanduhren mit Kompensationspendeln und hochwertigen Werken nennt man Bodenregulatoren, die in Wien zu den sogenannten Geigenkastenregulatoren weiterentwickelt wurden. Die auf Abb. 57 gezeigte Uhr wurde um 1720 von Gasparo Astori in Venedig gefertigt. Die Form ist typisch englisch. Der schlichte Holzkasten ist mit schönen Intarsien geschmückt. Prunkvoller ist die im ausgehenden Jahrhundert geschaffene französische Bodenstanduhr auf Abb. 58. Das Werk stammt von dem Pariser Uhrmacher Robert Roben, das Gehäuse von B. Lieutaud. Deutlich erkennt man das Kompensationspendel hinter der verglasten Tür, ein klassisches Rostpendel.

Die Industrialisierung der Uhrmacherei

Früher, als man allgemein annimmt, nämlich schon im 18. Jahrhundert, bedienten sich die Uhrmacher industrieller Fertigungsmethoden, vor allem in Frankreich und in der Schweiz. Die erste regelrechte Uhrenfabrik, die die Serienfabrikation einführte, wurde 1794 in Fontainemelon eröffnet. Pioniere der Industrialisierung im 19. Jahrhundert waren die Schweizer, die seit geraumer Zeit auf dem Gebiet der Kleinuhrenherstellung Weltgeltung erlangt hatten. Genannt seien hier Georges Auguste Leschot, Adrien Philippe und Antoine Le Cultre. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Taschenuhr mit der ausschließlichen Verwendung des Ankergangs ihr heutiges Gesicht. Auch mittlere und große Uhren wurden nun fast nur noch in Serien hergestellt; Zweckmäßigkeit, Preisgünstigkeit und Robustheit traten immer mehr in den Vordergrund. Schon um die Jahrhundertmitte waren Taschenuhren für jedermann eine Selbstverständlichkeit; sie gingen, weil im Zuge der Serienfertigung weniger sorgfältig gearbeitet, ungenauer als die Einzelstücke des 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurden jedoch auch auf Sonderbestellung noch in Handarbeit Chronometer von einer Präzision gefertigt, die erst durch die modernsten Uhren unseres Jahrhunderts übertroffen wurde. Diese nach den Wünschen der Besteller gestalteten Einzelstücke waren in der Regel vom höchstem künstlerischem Wert und oft aus kostbaren Materialien gefertigt.

Skelettuhren sind allseits mit Glas verkleidet, so dass das Werk sichtbar ist. Die Platinen sind dabei auf ein Minimum reduziert. Bei Taschenuhren wurden oft die auf der Schauseite sichtbaren Uhrwerkselemente, beispielsweise die Unruh, in einen meist figürlichen Dekor einbezogen. Zu den Taschenuhren mit Glockenschlag oder Repetierwerk traten im 19. Jahrhundert Kleinuhren mit eingebauten Walzenspielwerken; Wecker-Taschenuhren gehen ins 18. Jahrhundert zurück.

Uhren heute

Eine weitere Entwicklung waren die elektrischen Uhren, die heute noch Verwendung finden. Bei ihnen erfolgt der Antrieb nicht durch Gewichte oder Federn, sondern durch elektrische Impulse, also durch eine Art von Elektromotor. Seit einigen Jahren gibt es auch Armbanduhren mit Batteriebetrieb, Meisterwerke der Miniaturisierung. Die öffentlichen Normaluhren (in Bahnhöfen, auf Plätzen und an öffentlichen Gebäuden) sowie die Uhren in Großbetrieben sind heute fast ausschließlich elektrische Uhren, wobei eine Vielzahl von Nebenuhren durch die Impulse einer übergeordneten Uhr mit selbständigem Gangordner gesteuert wird.PTB in Braunschweig

Von noch größerer Ganggenauigkeit sind die Quarzuhren. Bei ihnen besteht das Schwingungsnormal aus einem Quarz, der piezoelektrisch in Schwingung versetzt wird. Die Ungenauigkeit einer Quarzuhr beträgt nur etwa eine Sekunde in drei Jahren, doch ist sie als absolutes Zeitnormal ungeeignet, weil stets eine Abgleichung mit Hilfe eines übergeordneten Zeitnormals notwendig ist, und sich die eingestellte Frequenz durch Alterungsprozesse im Quarzgefüge, im Laufe der Zeit ändert.

Bei der Atomuhr hingegen, der genauesten Uhr überhaupt, ist der Wert der Normalfrequenz durch einen quantenmechanischen Prozess exakt festgelegt, d. h., diese Instrumente messen die Zeit durch elektrische Zählung der Eigenschwingungen von Atomen oder Molekülen. Es gibt verschiedene Ausführungen, so die Ammoniak-Uhr, die Caesium - Atomuhr, die Thallium - Atomuhr und die Wasserstoff - Atomuhr, benannt nach den chemischen Verbindungen bzw. Elementen, deren Molekül- oder Atomschwingungen das Zeitnormal liefern. Nach der Caesium - Atomuhr ist seit jüngster Zeit die Sekunde definiert: Eine Sekunde ist die Zeitspanne von 9 162 631 770 Caesium - Atomschwingungen in einer solchen Uhr.

Mit diesen exakten Uhren und Zeitnormalen gelang es jetzt, minimale Bahnabweichungen von Sternen und anderen Himmelskörpern im All zu messen. Größe, Masse, Entfernung und Geschwindigkeiten vieler Himmelskörper wurden neu bestimmt, sogar noch nicht geortete Sterne können aus den Bahnabweichungen anderer Gestirne berechnet werden. Atomuhr und die Wasserstoff - Atomuhr, benannt nach den chemischen Verbindungen bzw. Elementen, deren Molekül- oder Atomschwingungen das Zeitnormal liefern. Nach der Caesium - Atomuhr ist seit jüngster Zeit die Sekunde definiert: Eine Sekunde ist die Zeitspanne von 9 162 631 770 Caesium - Atomschwingungen in einer solchen Uhr.

 

 

Chronik

Antike

3761 v. Chr. Am 7. Oktober beginnt die Zählung des jüdischen Kalenders.
um 3000 v. Chr. Die Summerer benutzen die Fließzeit des Wassers als Maßeinheit der Zeit.
2679 v. Chr. In China sind Sonnenuhren in Gebrauch.
um 2600 v. Chr. Schattenwerfer in Form vertikaler Säulen oder geradliniger Stäbe werden zur Zeitnehmung verwendet.
um 2000 v. Chr. Das Sexagesimalsystem mit der Basiszahl 60 wird bei den Babyloniern verwendet, aus dem später das 12er System (Duodezimalsystem) der Stundeneinteilung entwickelt. Die Summerer verwenden den Mondkalender.
1530 v. Chr. AMENEMHET baut für König AMENOPHIS I. in Ägypten eine technisch ausgereifte Wasserlaufuhr. Außer in Ägypten und Babylonien werden auch in Griechenland Wasseruhren zur Zeitnehmung verwendet.
um 1400 v. Chr. Zur Zeit des Königs AMENOPHIS III. ist in Ägypten eine Wasserlaufuhr in Gebrauch (sie befindet sich heute im Kairoer Museum).
1100 v. Chr. TSCHOU-KONG, Kaiser von China, verwendet ein Gnonom zur Zeitbestimmung bei Sonnenschein.
776 v. Chr. Die Griechen beginnen am 8.Juli die Zählung der Kalenderjahre nach ihren alle vier Jahre stattfindenden olympischen Festen.
730 v. Chr. AHAS, König von Juda, lässt einen Obelisken als Sonnenuhr bauen.
um 700 v. Chr. Der Mondkalender wird von den Assyrern benutzt.
um 600 v. Chr. König HISKIA besitzt eine Refraktionssonnenuhr.
um 550 v. Chr. ANAXIMANDROS stellt in Griechenland die erste Sonnenuhr auf.
380 v. Chr. Platin lässt im Garten der Athener Akademie eine Wassereinlaufuhr aufstellen, die durch Luftkompression eine Figur Flötentöne erzeugen lässt. ARISTOTELES verwendet bereits das Astrolabium zur Zeitbestimmung.
330 v. Chr. PARMENIO baut eine Taschensonnenuhr.
um 300 v. Chr. ARISTARGHOS VON SAMOS stellt fest, dass sich die Erde um die Sonne bewegt.
263 v. Chr. Die erste öffentliche Sonnenuhr wird durch PAPIRIUS CURSOR in Rom aufgestellt.
150 v. Chr. KTESIBIOS VON ALEXANDRIA stellt in Griechenland eine automatische Wasseruhr her, die als Wasserein- und Wasserauslaufuhr mit einem Räderwerk kombiniert ist.
um 145 v. Chr. In Rom wird als Geschenk des Zensors SCIPIO NASCIA eine öffentliche Wasseruhr aufgestellt.
um 50 v. Chr. In Athen wird von ANDRONIKOS aus Kyrrhos der "Turm der Winde" erbaut mit mehreren Sonnenuhren an den Außenwänden und einer Wasseruhr im Inneren.
46 v. Chr. JULIUS CÄSAR lässt durch seine Astronomen die sogenannte erste Kalenderreform durchführen (Julianischer Kalender).
15 v. Chr. POLLIO VITRUVIUS verfaßt in Rom ein zehnbändiges Werk über Architektur und Technik seiner Zeit; Band 9 behandelt die Zeitmessung.
um 100 TYROS schlägt vor, die Erde in ein Koordinatensystem von Längen- und Breitengraden aufzugliedern.

Romanik

um 500 Auf dem Marktplatz von Gaza wird die Herkulesuhr, eine monumentale Wasseruhr mit Stundenschlag, aufgestellt.
507 BOETHIUS fertigt im Auftrage THEODERICHS DES GROSSEN eine kunstvolle Sonnenuhr und eine Wasseruhr an, die dem König der Burgunder GUNIBALD überreicht werden.
725 In China wird durch HSING und LIAN LING-TSAN eine Uhr mit mechanischer Hemmung gebaut.
750 In der Literatur werden erstmals Sanduhren erwähnt.
807 HARUN AL RASCHID, Kalif von Bagdad, schenkt KARL DEM GROSSEN eine prachtvoll ausgestattete Wasseruhr mit Schlagwerk und beweglichen Figuren.
um 994 GERBERT VON AURILLAC fertigt in Magdeburg eine nach astronomischen Beobachtungen geregelte Sonnenuhr und einen Himmelsglobus an.
1090 SU SUNG stellt eine für Khai-Sung, Hauptstadt des Sung- Reiches, bestimmte astronomische Wasseruhr mit Räderwerk fertig.
1168 In Damaskus entsteht die berühmte Wasseruhr am Osttor der Stadt.
1170 Das Gewerbe "Urluge" (Wasseruhrmacher) wird in Köln nachgewiesen.
1181 AL GAZARU baut im arabischen Amid kunstvolle Wasseruhren.
1203 HALI (auch RIDWAN genannt) veröffentlicht ein Werk über den Bau und die Instandsetzung von Wasseruhren.

Gotik

1220 In Köln wird die Urlugingasse, die Gasse der Wasseruhrmacher und Kleinschmiede, erwähnt.
1232 Kaiser FRIEDRICH II. erhält vom Sultan aus Bagdad eine große astronomische Wasseruhr geschenkt.
1252 ALFONS X. lässt von seinen Wissenschaftlern Planetentafeln fertigstellen (Alfonsinische Planetentafeln).
1284 Die erste mechanische Turmuhr wird an der Kathedrale von Exeter (England) in Betrieb genommen.
1288 Die Westminster Hall zu London erhält eine mechanische Türmeruhr. Die Tageseinteilung in zweimal zwölf gleich lange Stunden beginnt.
um 1300 Räderuhren mit Gewichtantrieb, Spindelhemmung und Waag werden zunehmend hergestellt. In Florenz wird die erste öffentliche mechanische Stadtuhr aufgestellt,
um 1310 Die Ausstattung von Kirchen, Rathäusern, Klöstern und Türmen mit großen Räderuhren und Schlagwerken beginnt.
1320 DANTE ALIGHIERI erwähnt in seiner "Göttlichen Komödie" ein Uhrwerk mit Rädern.
1324 Eine astronomische Uhr mit Planetarium wird von RICHARD WALLINGTON für die Abtei Saint Albanus (England) gebaut.
1325 Der Geistliche PETER LIGHTFOOT fertigt für die englische Glaston Abbey eine astronomische Kunstuhr an.
1336 In Florenz wird eine Turmuhr mit Schlagwerk bekannt.
1344 In Padua vollendet JACOPO DE DONDI eine öffentliche Schlagwerkuhr.
1348 London erhält seine erste öffentliche Schlagwerkuhr, Big Tom genannt.
1354 Das Straßburger Münster erhält seine erste monumentale astronomischer Kunstuhr.
1364 In Padua vollendet GIOVANNI DE DONDI eine astronomische Kunstuhr.
1386 In der Kathedrale von Salisburg (England) wird eine Schlagwerkuhr ohne Zifferblatt eingebaut, die heute noch funktioniert.
1389 JEHAN DE FELAINS stellt in Rouen eine Turmuhr mit Viertelschlag her.
1404 Der Mönch LASAR SERBIN leitet den Bau der ersten Turmuhr auf dem Kathedralenplatz im Moskauer Kreml.
1405 Die erste astronomische Kunstuhr der Marienkirche zu Lübeck wird fertiggestellt.
um 1425 Sonnenuhren mit Schattenwerfer parallel zur Erdachse kommen auf.
1451 JEAN LIEBURE (Paris) baut Reiseuhrwerke, deren Kupfergehäuse mit Glocken von J.MOULINET hergestellt werden.
1470 HANS DÜHRINGER stellt für die Kirche St. Marien in Danzig eine astronomische Aposteluhr mit Schlagwerk und 24-Stunden Zifferblatt her.
1472 Die Rostocker Marienkirche erhält ihre erste Aposteluhr.
1481 Das älteste nachweisbare Glockenspiel bei einer Turmuhr in Aalst (Flandern) wird bekannt. Die Alfonsinischen Planetentafeln werden weltweit eingeführt und später von CHRISTOPH KOLUMBUS und TYCHO BRAHE benutzt.

Renaissance

1509 PETER HENLEIN fertigt in Nürnberg tragbare Uhren an.
1510 NIKQLAUS KOPERNIKUS veröffentlicht die Erkenntnis, dass die Sonne im Mittelpunkt unseres Planetensystems steht.
1518 Im süddeutschen Raum werden erstmals Fenstersonnenuhren erwähnt.
um 1525 Tischuhren in Form kreisrunder Dosen oder eckiger Kästchen mit waagerecht angeordnetem Zifferblatt bürgern sich ein.
1540 Wanduhren mit Gewichtsstück werden Gebrauchsuhren für Bürger und Bauern.
1543 NiKOLAUS KOPERNIKUS widerlegt die geozentrische Lehre und schafft Ausgangspunkte der neueren Zeitrechnung und Zeitmessung.
um 1544 In Paris entsteht eine Uhrmacherzunft, die durch gewählte Uhrmacher geleitet wird.
um 1550 Statt der bis dahin üblichen Uhren mit nur einem Zeiger wird auf einem gesonderten Viertelzifferblatt der Viertelstundenzeiger eingeführt. Taschenuhren mit ovalem Gehäuse, sogenannte Nürnberger Eier, werden hergestellt. Der Beginn der Renaissance spiegelt sich auch in der Ausschmückung der Wohnraumuhren wieder, vorwiegend an Türmchen- und Tischuhren. Die Gehäuse von Kleinuhren werden mit Bergkristall verziert.
1551 Die Prutenischen Tafeln werden von ERASMUS REINHOLD herausgebracht.
1555 Taschenuhren mit beweglichen Figuren werden in Genf hergestellt.
1573 Der Minutenzeiger wird eingeführt (ältester Nachweis an einer astronomischen Renaissance-Tischuhr).
1574 Die zweite monumentale Kunstuhr des Straßburger Münsters wird von ISAAC HABRECHT fertiggestellt.
1575 Tragbare Uhren werden mit Weckeinrichtung versehen.
1576 Auf der dänischen Insel Hveen wird die Sternwarte gegründet, wo der Astronom TYCHO BRAHE tätig war.
1580 ISAAK HABRECHI stellt die berühmte Heilbronner Rathausuhr fertig. Eine gleichmä8igere Antriebskraft der Antriebsfeder der Uhren wird durch die Anwendung der Schnecke mit Darmsaite erreicht. Der Straßburger Uhrmacher CONRAD baut sakrale Taschenuhren in Kreuzform. In Augsburg werden erstmalig Telleruhren mit getriebenem Zifferblatt hergestellt.
1582 Der Gregorianische Kalender auf der Grundlage der Alfonsinischen Planetentafeln wird durch eine päpstliche Bulle verbindlich eingeführt.
1583 GALILEO GALILEI erkennt bei Pendelschwingungen die Unabhängigkeit der Frequenz von der Auslenkung.
1584 JOST BÜRGI stellt in Kassel Präzisionsuhren her.
1597 GALILEO GALILEI benutzt eine Spirale mit Unruh als Schwingsystem.
1598 NIKOLAUS LIPPIUS fertigt die Lyoner Kunstuhr.
um 1600 PAUL HOME baut Uhren mit silbernen Gehäusen in Form von Totenköpfen für Ordensgeistliche. HENRY ESTER fertigt in Augsburg Taschenuhren mit Schlagwerk. Die bis heute erhaltene Dovercastelluhr wird eingebaut.
1600 Zwei Keplersche Gesetze werden veröffentlicht (das dritte erscheint 1619).
1618 Der Engländer ROBERT FLUDD beschreibt eine Taschenuhr, die zum Ausgleich der ungleichen Kraftentfaltung der Antriebsfeder in Taschenuhren mit einem Schneckenrad ausgestattet ist.
1627 JOHANNES KEPLER veröffentlicht in Prag seine Rudolfinischen Planetentafeln, denen die Beobachtungen von TYCHO BRAHE zugrunde liegen.
um 1630 Taschenuhrgehäuse mit Emailmalerei werden vom französischen Goldschmied JEAN TOUTIN hergestellt.
1634 Von den Franzosen wird der Nullmeridian zunächst durch die Kanarische Insel Ferro gelegt. (Erst ab 1844 wird er durch Greenwich geführt.)
1638 GALILEO GALILEI veröffentlicht seine Gesetze über die Pendelbewegung.

 

Barock & Rokoko

1773 CHRISTIAN HUYGENS beschreibt die Konstruktion einer verbesserten Pendeluhr mit Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger sowie den Aufzug mit endlosem Seil.
1674 THURET (Paris) stellt nach Angaben HUYGENS eine mit stählerner Spirale und Unruh versehene Taschenuhr her.
1675 Die Zykloide wird als die für die Verzahnung in Uhrwerken geeignetste Zahnform anerkannt. Die Sternwarte in Greenwich (England) wird gegründet. (Ihr Ortsmeridian wird ab 1844 die Linie des Nullmeridians.)
1676 DANIEL QUARE (London) wird das Patent für eine Viertelschlag- Repetitions-Taschenuhr zuerkannt, die er gleichzeitig, aber unabhängig von EDWARD BARLOW (London) erfunden hat. WILLIAM CLEMENT (London) führt die Federaufhängung für Uhrenpendel ein.
1679 Dr. ROBERT HOOKE (London) entdeckt das Ausdehnungsgesetz der Spiralfedern (Hookesches Gesetz).
um 1680 Die erreichte Präzision und die Genauigkeit der Pendeluhren führen zum allgemeinen Einsatz des Minutenzeigers im Zentrum des Zifferblattes.
1680 Der deutsche Uhrmacher BECHER stellt erstmals eine sich durch den Luftdruckwechsel selbständig aufziehende Barometeruhr her.
um 1681 DANIEL JEAN RICHARD baut im Neuenburger Jura (Schweiz) Taschenuhren. Daraus entwickelt sich in der Folgezeit die Schweizer Uhrenindustrie.
1686 In Berlin beginnt man mit der Uhrenherstellung in einer Manufaktur.
1690 JACOB ENDERLEIN stellt Taschenuhren mit einer Gangdauer von acht Tagen her. Die ersten Sägeuhren werden gebaut.
um 1695 THOMAS TOMPION (London) erfindet die ruhende Hemmung (Sautroghemmung) für die Taschenuhren als Vorläufer der Zylinder- und Duplexhemmung.
um 1700 Bei Taschenuhren wird Glas neben dem bis dahin üblichen Bergkristall als Zifferblatt- und Zeigerschutz verwendet. Taschenuhrgehäuse werden durch Treibarbeit verziert. Verbesserte Zeitmeßergebnisse führen auch bei tragbaren Uhren zum Einsatz des Minutenzeigers auf der Zifferblattmitte.
1704 NICOLAS FATIO DE DUILLIER und PIERRE DE BAUFRE (London) erhalten gemeinsam das englische Patent zur alleinigen Anfertigung von Lagern für Uhren aus Edelstein. PIERRE DE BAUFRE stellt den Zylinder der Zylinderuhr mit Sautroghemmung aus einem Diamanten her. Er schafft auch eine ruhende Hemmung, bei der sich auf der Unruhwelle zwei aufgesetzte Paletten befinden.
1705 DANIEL QUARE (London) baut eine Äquationsstanduhr, die die Mittlere und die Wahre Zeit anzeigt.
1709 Zar PETER I. befiehlt, in den Spasski-Turm des Moskauer Kreml eine neue Uhr mit Geläut einzubauen.
1710 Gehäusedeckel der Kleinuhren werden aus Achat und anderen Quarzarten hergestellt.
1713 THOMAS TOMPION (London) baut eine Jahresuhr.
1721 GEORGE GRAHAM verwendet erstmals das Quecksilberkompensationspendel für Großuhren.
1722 Abbe D’HAUTEFEUILLE (Orleans) beschreibt eine Ankerhemmung mit einem Rechen als Gabel und einem Trieb auf der Unruhwelle. Die Hemmung ist nicht frei, da der Anker und die Unruh ständig im Eingriff stehen.
1724 Der französische Uhrmacher JEAN BAPTISTE DUTERTRE baut die Duplexhemmung (bereits 1690 von Dr. ROBERT HOOKE in Elementen beschrieben).
1726 JOHN HARRISON (London) konstruiert ein Metallstabkompensationspendel (Rostpendel).
um 1730 FRANZ ANTON KETTERER aus Schönwald (Schwarzwald) stellt die erste Kuckucksuhr her.
1735 JOHN HARRISON (London) fertigt das Gegengesperr für Großuhren und seine erste Seeuhr.
1739 JOHN HARRISON vollendet seine zweite Seeuhr.
um 1740 Goldene Taschenuhrgehäuse, deren Verzierungen aus vier verschiedenen Goldfarben bestehen, kommen in Mode.
1741 JOHN HARRISON vollendet seine dritte Seeuhr.
1749 RIVAZ fertigt eine Federzuguhr mit Schlagwerk, die nach einem Aufzug ein Jahr lang geht.
1750 MATHIAS HUMMEL fertigt als Erster im Schwarzwald Taschenuhren aus Buchsbaumholz.
1751 JEAN ANDRE LEPAUTE (Paris) baut Pendeluhren mit nur einem Rad.
1755 JEAN ROMILLY stellt in Paris Achttagetaschenuhren her, deren Unruh pro Sekunde eine Schwingung macht.
um 1760 THOMAS MUDGE (London) erfindet die freie Ankerhemmung für tragbare Uhren.
1760 PHILLIP MATTHÄUS HAHN (Echterdingen) beginnt mit der Herstellung hervorragender Großuhren mit mechanischen Globen und Sphären. PIERRE JAQUET DROZ fertigt in La Chaux-de-Fonds prächtig ausgestattete Automatenuhren. Uhrgehäuse werden mit Fischhaut überzogen. Die ersten feuervergoldeten Pendeluhren entstehen. FERDINAND BERTHOUD und PIERRE LE ROY (beide Paris) veröffentlichen die Ergebnisse ihrer Forschung über die freie Chronometerhemmung.
1761 FERDINAND BERTHOUD (Paris) vollendet das erste Marinechronometer Frankreichs. JOHN HARRISON (London) gewinnt mit seiner vierten Schiffsuhr den vom englischen Parlament 1714 ausgeschriebenen Preis (dieser wird ihm erst 1774 zuerkannt).
1764 JOHN ARNOLD (London) stellt den Zylinder einer Zylinderhemmung aus einem echten Rubin (Korund) her.
1766 PIERRE LE ROY (Paris) verbessert die Ausgleichsunruh von HARRISON.
um 1768 Im Schwarzwald werden die ersten Großuhren mit Spielwerken hergestellt.
JACQUES FREDERIC HOURIET (Le Locle) fertigt sphärische Spiralen in Kugelform an.
1769 PIERRE LE ROY vollendet seine erste Seeuhr mit Chronometerhemmung. Der Klosterbruder CAJETANO baut im Hofkloster zu Wien eine kunstvolle astronomische Uhr.
um 1770 JEAN ANDRE LEPAUTE (Paris) stellt für die Akademie der Bildhauerkunst eine durch den Luftzug sich selbsttätig aufziehende Atmosphärische Uhr her.
1720 GEORGE GRAHAM verbessert die Sautroghemmung von TOHMAS TOMPION, die als Zylinderhemmung bekannt wird. In Frankreich werden Wandkonsoluhren gebaut.
um 1770 JAMES FERGUSON, englischer Mechaniker und Astronom, konstruiert erstmals eine Ebbe- und Flutzeituhr.
1770 JEAN ANTOINE LEPINE (Paris) fertigt Taschenuhrenwerke in Brückenbauweise. A. L. PERRELET (Schweiz) stellt erstmals funktionstüchtige Automatikaufzüge an Taschenuhren her (später durch BREQUET u. a. verbessert, bis sie im 20. Jahrhundert auch bei Armbanduhren angewandt werden.
1772 JOHN ARNOLD (London) erfindet eine zweiarmige Unruh mit Regulierschrauben.
1775 JOHN ARNOLD stellt die zylindrische Spirale für Uhrenschwingsysteme her.
1776 Der seit 1582 bestehende Gregorianische Kalender wird durch Reichsverfassung offiziell bestätigt.
1777 JEAN MOISE POUZAIT erfindet die springende Sekundenanzeige (Seconde morte), bei der der Sekundenzeiger in jeder Sekunde einmal springt.
um 1780 Der Sekundenzeiger wird allgemein auch bei Taschenuhren eingeführt. Federkraftpendelhemmungen führen zu hohen Zeitmeßergebnissen bei Großuhren (CHRISTIAN FRIEDRICH TIEDE, SIGMUND RIEFLER und LUDWIG STRASSER verwenden sie später für Präzisionspendeluhren).
1780 MALLET führt in Genf die Mittlere Zeit öffentlich ein. Der französische Uhrmacher ABRAHAM LOUIS BREQUET erfindet den automatischen Rüttelaufzug bei Taschenuhren.
1781 FERDINAND BERTHOUD (Paris) beschäftigt sich mit dem sekundären Kompensationsfehler des Schwingsystems.
1782 JOHN ARNOLD stellt eine Chronometerhemmung mit gerader Gangfeder her und lässt sie sich patentieren.

Empire

1790 JACOB JACOB HEBESTREIT (auch HERBSTRIETH genannt) stellt in Neukirch (Schwarzwald) erstmals die nach ihm benannten Jockeleuhren her.

1793 Der Nordamerikaner ELI TERRY gründet in Plymouth eine Fabrik zur Herstellung von Großuhren.

1798 Der Schweizer L. PERRON erfindet die Stiftankerhemmung für tragbare Uhren.

um 1800 ABRAHAM LOUlS BREGUET (Paris) wendet erstmals die aufgebogene Spirale an.

1801 ABRAHAM LOUlS BREGUET erfindet das Tourbillon mit Antrieb vom Sekundenrad.

 um 1805 Die Sicherung der Unruhwelle gegen Schlag und Stoß wird erstmalig von ABRAHAM LOUlS BREGUET durch eine Einrichtung unter der Bezeichnung "parachute" (Fallschutz) verwirklicht.

1810 Der dänische Uhrmacher LOUIS URBAN JÜRGENSEN baut in Paris zuverlässige, genau gehende Taschenchronometer und verbessert die Zylinderhemmung.

1812 EDWARD MASSEY (London) erfindet einen Aufzug bei Taschenuhren, der auf dem Prinzip des Auf- und Niederschiebens des Bügelknopfes beruht.

1815 RAMIS stellt die erste elektrisch betriebene Einzeluhr her.

um 1820 DUELOS fertigt in Paris Uhren aus Pappe an (Carthorloges),

1820 Erstmals werden Stoppuhren mit zwei getrennten Sekundenwerken gebaut

Biedermeier

1822 In England wird die Stoppuhr ohne laufende Zeitanzeige erfunden.
1825 BROCOT konstruiert in Paris eine ruhende Pendelhemmung. Der Schweizer PIERRE FREDERIC INGOLD erfindet die sogenannte Ingoldfräse für die Herstellung theoretisch richtiger Radzahnwälzungen in Uhrwerken.
1828 FRIEDRICH WILHELM BESSEL (Königsberg) veröffentlicht seine Abhandlung über das Sekundenpendel und die zweckmäßigste Art der Ausführung.
1830 JEAN PAUL GUERLIN (Berlin) stellt Taschenuhren mit Zylinderhemmung her, die flach wie ein Taler sind.
EDUARD JOHN DENT experimentiert in London mit Spiralen aus Glas, um bessere Temperaturkompensationswerte zu erhalten.
1831 Der Pariser Uhrmacher JOSEPH WINNERL fertigt die erste Uhr mit nachspringender Sekunde (Seconde rattrapante) an.
1833 In Greenwich wird eine Zeitballstation eingerichtet (es folgen derartige Einrichtungen unter anderem 1855 in Washington, 1875 in Kiel und 1876 in Bremerhaven).
1839 Der Optiker CARL AUGUST VON STEINHEIL (München) stellt eine Großuhr her, die Stromimpulse aus elektrochemischen Batterien an Nebenuhrwerke gibt und diese damit fortschaltet.
1840 SIR CHARLES WHEATSTON (Paris) veröffentlicht eine Denkschrift über einen von ihm erfundenen Apparat, durch den man Uhren an verschiedenen Orten von einer Zentrale aus steuern kann.
GEORGES LESCHOT leitet die erste maschinelle Erzeugung von Taschenuhr- Rohwerken in einer Schweizer Uhrenfabrik.
Louis URBAN JÜRGENSEN (Paris) beschreibt die bishin geheim gehaltene englische Technologie der Herstellung von Uhrwerklagern aus Edelstein.
1841 FRIEDRICH GUTKAES, Dresdener Hofuhrmacher, konstruiert für die Dresdener Staatsoper die Fünfminutenuhr.
1842 JEAN BABTISTE SCHWILGUE stellt die dritte Straßburger Münsteruhr fertig.
1842 PIERRE FREDERIC INGOLD (La Chaux-de-Fonds) errichtet in England eine Taschenuhrfabrik mit maschinellen Fertigungsverfahren. Auf Betreiben des handwerklich schaffenden Uhrmachergewerbes verbietet das englische Parlament die Inbetriebnahme dieser Fabrik. ADRIEN PHILLIPE (Genf) konstruiert die Taschenuhr mit dem Kronenaufzug (Remontoiruhr).
1843 C. A. STEINHEIL, Professor in München, beschreibt eine Vorrichtung, mit der die von einer Hauptuhr elektrisch gesteuerten Nebenuhrwerke auf gleiche Zeigerstellung gebracht wer- den können. JOSEPH WINNERL (Paris) erfindet den Doppelchronografen mit der Herzscheibe zur Rückstellung der Zeiger.
1844 Es wird vorläufig (endgültige Festlegung 1911) festgelegt, dass der Nullmeridian von Greenwich (England) aus gerechnet wird, statt wie seit 1634 von der Kanarischen Insel Ferro.
FERDINAND LEONHARD (Berlin) führt die verschiebbare Palette am Anker ruhender Hemmungen ein.
1845 FERDINAND ADOLF LANGE gründet in Glashütte bei Dresden eine Fabrik für Präzisionstaschenuhren.

Historismus

um 1850 In der russischen Stadt Wjatka werden Taschenuhren fast vollständig aus Birkenwurzelholz manufakturmäßig hergestellt.
1850 In Nordamerika beginnt die maschinelle Herstellung von Taschenuhren (Schablonenuhren) mit auswechselbaren Teilen. Die erste Uhrmacherschule im deutschsprachigen Bereich wird in Furtwangen (Schwarzwald) gegründet. Weitere Fachschulen für Uhrmacher entstehen später z.B. in Schwenningen, Glashütte, Karlstein, Biel, La Chaux-de-Fonds, Genf, Le Locle, Neuchatel.
1853 Der Schweizer Uhrmacher OLIVER MATHEY führt zur Vollendung der Stahlflächen in Uhren die Diamantine ein.
1859 Die von EDMUND BECKETT DENISON (ab 1886 Baron GRIMTHORPE) konstruierte, sehr genau gehende Turmuhr mit Schwerkrafthemmung des Parlamentsgebäudes in London (Westminsteruhr) wird vom Londoner Uhrmacher EDUARD JOHN DENT gebaut und nach fünfjähriger Probezeit der Öffentlichkeit übergeben.
um 1860 Die industrielle Massenproduktion von Gebrauchsuhren bewirkt, dass die handwerkliche Herstellung zurückgedrängt wird und das Handwerk sich auf die Uhrenreparatur spezialisiert.
1860 Der französische Mathematiker EDUARD PHILIPPS berechnet die Kurvenformen beider Enden der zylindrischen Spirale, um die Bedingungen des Isochronismus zu erfüllen.
1861 ERHARD JUNGHANS aus Schramberg führt die bereits in Nordamerika praktizierte Technologie zur Massenproduktion von sogenannten Schablonenuhren ein.
1867 Der Pariser Uhrmacher GUILMETIN erfindet das frei schwingende Pendel ("Pendule balancier libre").
1868 GEORG FRIEDRICH ROSKOPF beginnt in der Schweiz mit der Herstellung von einfachen, von den bis dahin bekannten Konstruktionsprinzipien abweichenden, billigen zuverlässigen Taschenuhren. JOSEPH WINNERL (Paris) baut erstmals eine Pendeluhr mit einem Antrieb durch elektrische Kontakte. Das im 5.Jahrhundert u.Z. entstandene Dezimalsystem wird in Deutschland durch Anordnung vom 17.August 1868 allgemein verbindlich.
1870 Der kanadische Eisenbahningenieur FLEMING macht den Vorschlag, die Zonenzeit einzuführen (1884 verbindlich festgelegt).
1872 Das metrische System wird durch Gesetz in Deutschland eingeführt. Es vergehen noch fast 100 Jahre, bevor die bis dahin angewandten Uhrmachermaße ihre Bedeutung verlieren. Der Berliner Uhrmacher CHRISTIAN FRIEDRICH TIEDE lässt als Erster eine Pendeluhr unter Luftabschluß laufen.
1877 In Wien wird zur Schaltung einer Anzahl von Nebenuhren durch eine Hauptuhr in Röhren geleitete Druckluft verwendet. Die Seewarte Hamburg beginnt mit der Veranstaltung von jährlichen Konkurrenzprüfungen für Chronometer. Ab 1882 wurden auch Taschenuhren in diese Prüfung einbezogen.
1878 Nach einer Erfindung des Uhrmachers MATTHIAS HIPP wird in Neuchatel (Schweiz) die erste elektrisch betriebene Pendeluhr fertiggestellt. Die Deutsche Uhrmacherschule in Glashütte wird gegründet (1951 Überführung in die Ingenieurschule für Feinwerktechnik).
1880 Der Wiener Uhrmacher A. von LOEHR baut Taschenuhren mit Schwungmassenaufzug. Die Firma STRASSER und ROHDE, Glashütte, stellt den Tertienzähler her, einen Vorgänger der elektrischen Stoppuhr.
1883 Der Engländer WILSON entwickelt die Schachuhr.
1887 In Paris wird ein Röhrensystem in den Straßen geschaffen, um durch Druckluft Straßenuhren mit Nebenuhrwerken durch Hauptuhren zu steuern.
1889 SIEGMUND RIEFLER (Nesselwang) erfindet die Federkraftpendelhemmung mit konstantem Antrieb für Präzisionspendeluhren, die später von LUDWIG STRASSER (Glashütte) verbessert wurde.

Jugendstil

1891 In Ruhla (Thüringen) werden erstmalig einfache Gebrauchstaschenuhren hergestellt.
1893 In Deutschland wird durch Gesetz die Mitteleuropäische Zonenzeit eingeführt. BONNIKSEN lässt in Glashütte bei der Firma LANGE Karusselltaschenuhren (Tourbillon) herstellen, deren Antrieb vom Kleinbodenrad ausgeht.
1895 Die Glashütter Jubiläumsuhr wird zum 50. Jahrestag der Glashütter Uhrenindustrie als Meisterleistung industrieller Präzisionsmechnik ausgestellt. GUGLIELMO MARCHES MARCONI (Bologna) schafft fast zur gleichen Zeit wie ALEXANDER STEPANOWITSCH POPOW (St. Petersburg) die Grundlagen der drahtlosen Informationsübertragung und damit auch der Zeitzeichenübermittlung.
1901 Für eine Pendeluhr mit elektrodynamischem Antrieb wird das Patent erteilt. Sie enthält alle Elemente, die erst etwa 30 Jahre später zur Anwendung gelangen: Permanentmagnete, Spulen, Kontakte und Batterien.
1902 Es gelingt die synthetische Herstellung des Edelsteins Korund in seinen Varianten Saphir und Rubin aus Tonerde. (In der modernen Uhrentechnik wird er unter anderem als preiswerter Lagerstein verwendet.)
1905 Armbanduhren kommen in Mode. In den USA werden die ersten Zeitzeichen per Funk ausgestrahlt.
1911 Am 1. Mai werden vom Eiffelturm in Paris die ersten europäischen Zeitzeichen über einen Sender ausgestrahlt, den GUSTAVE FERRIE angefertigt hat. Der Nullmeridian wird endgültig auf Greenwich festgelegt (vorläufige Festlegung ab 1844). 

Neuzeit

1912 Kleinuhren mit Leuchtzahlen auf dem Zifferblatt werden hergestellt.
1916 In Irland wird die Sommerzeit erfunden.
1917 Der Uhrmacher N.W. BEHRENS restauriert nach den Kämpfen der Oktoberrevolution die Kremluhr in Moskau.
1920 Der französische Physiker CHARLES EDOUARD GUILLAUME wird für seine Arbeiten zur Verbesserung von Nickelstählen (unter anderem für die Uhrenherstellung) mit dem Nobelpreis geehrt.
1921 Quarzkristalle werden zur Frequenzstabilisierung von Röhrenoszillatoren verwendet. Damit ist die Grundlage zur Herstellung von Quarzuhren geschaffen. Der Rundfunk sendet das ONOGO-Zeitzeichen.
1924 In der Schweiz beginnt die Herstellung von Armbanduhren mit automatischem Aufzug.
1925 Der sowjetische Techniker O.W. LOSEW unternimmt erste Versuche zur Entwicklung verstärkender Halbleiterbauelemente (Transistoren).
1926 Der Uhrmacher HERMANN GOERTZ vollendet die astronomische Präzisionsbodenstanduhr in der Deutschen Uhrmacherschule Glashütte.
um 1928 In Nordamerika wird erstmals eine Quarzuhr in Betrieb genommen.
um 1930 Die industrielle Massenfertigung von Armbanduhren beginnt, nachdem etwa ab 1790 Armbänder mit Schmuckuhren als Einzelstücke gefertigt wurden.
1932 Die Physiker A.SCHEIBE und U.ADELSBERGER stellen in Deutschland die erste Quarzuhr her, die ein Jahr später im Geodätischen Institut in Potsdam aufgestellt wird.
1935 Die automatisch sprechende Telefonzeitansage wird in Deutschland eingeführt. Die Zeitwaage zur Messung des momentanen Ganges einer Uhr wird industriell hergestellt.
1946 Der US-amerikanische Chemiker WILLARD FRANK LIBBY entdeckt die Radiocarbonmethode zur Messung sehr großer zurückliegender Zeiträume (Kohlenstoff-14-Uhr).
1948 Die US-amerikanischen Physiker WALTER HOUSER BRATTAIN und JOHN BARDEEN schaffen den Spitzentransistor (unter anderem Voraussetzung zur Herstellung elektronischer Uhren).
1949 WILLIAM BRADFORD SHOCKLEY, US-amerikanischer Physiker britischer Herkunft, entwickelt den Flächentransistor (unter anderem Voraussetzung für elektronische Schaltkreise in Quarzuhren).
1950 Batteriebetriebene Großuhren mit Elektromotor bzw. mit magnetischem Unruhschwingsystem werden hergestellt.
1952 Erste Prototypen von Armbanduhren mit elektrisch angetriebenen Unruhschwingsystemen werden produziert.
1953 H. LYONS baut die erste Ammoniakmoleküluhr mit der Gangunsicherheit von 1 þ 10
1954 In der Schweiz erfolgt die Entwicklung einer Armbanduhr mit der elektronisch gesteuerten Stimmgabel von 360 Hz als Schwingsystem.
1956 Das Internationale Komitee für Ma8 und Gewicht definiert die Sekunde als ein astronomisches Zeitnormal. BULOVA entwickelt nach Vorschlägen des Schweizers M. HETZEL die Stimmgabeluhr.
1957 Als physikalisch- technische Einheit wird der Begriff der Ephemeridensekunde eingeführt.
um 1958 Erstmals erscheinen elektronische Großuhren mit durch Transistoren gesteuerten und direkt angetriebenen Unruhschwingsystemen.
1958 Im Funkwerk Erfurt wird die Industriequarzuhr serienmäßig gefertigt.
Integrierte Schaltungen erübrigen die bisher benötigte Vielzahl von separaten elektronischen Bauelementen bei elektronischen Uhren.
1960 Quecksilber-, Silberoxid- und später Lithium- Mikrobatterien (Knopfzellen) werden entwickelt und in Armbanduhren ein- gesetzt.
1964 Das Internationale Komitee für Maß und Gewicht definiert den Begriff der Sekunde neu als ein physikalisches Zeitnormal.
1965 Als Teilerschaltungen in Quarzarmbanduhren kommen integrierte Schaltkreise (IC) zur Anwendung. SIMON-VERMOT (Schweiz) konstruiert für Armbanduhren Unruhschnellschwingsysteme mit 8 bis 10 Halbschwingungen je Sekunde.
1967 Das Internationale Komitee für Maß und Gewicht legt den Begriff der physikalisch- technischen Einheit Sekunde neu nach der Caesiumatomuhr fest.
1969 Durch die Low-Power-Technik haben Quarzarmbanduhren einen so geringen Stromverbrauch, dass die Batterien ein Jahr ausreichen. Am 7.0ktober wird die Weltzeituhr von E. JOHN auf dem Alexanderplatz in Berlin aufgestellt.
1984 Die Fernseharmbanduhr mit einem Bildschirmgröße von 17 mm x 25 mm erscheint auf dem Markt.

1986
Bei ZENITH wird die Produktion des Automatik-Chronographen von 1969 wieder aufgenommen. Aufgrund der Weitsicht des damaligen Betriebsleiters, der Mitte der 70er Jahre die wertvollen Werkzeuge eingemottet hatte, anstatt sie weisungsgemäß zu verschrotten, ist das möglich.

1989
JUNGHANS bringt die erste funkgesteuerte Armbanduhr auf den Markt.

1992
ETA bringt ein neues, superflaches Automatikwerk (Kaliber 2000, Höhe 3,6 mm) auf den Markt. Die Konstruktion kostete ca. 5 Mio. Schweizer Franken.

1996
ETA bringt ein neues Automatik-Chronographenwerk (2894-2) heraus mit einer Höhe von nur 6,1 mm.

1997
FORTIS bringt ein neues Armbanduhrwerk in Modulbauweise heraus, das Automatikaufzug, Wecker und Chronograph miteinander vereint.

1998
SEIKO stellt auf der Messe "Basel 98" den Prototyp einer quarzgesteuerten mechanischen Armbanduhr vor. Das Handaufzugwerk hat Gangreserveanzeige und eine elektronische Hemmung.

1999
OMEGA stellt auf der "Basel 99" die erste in Serie gefertigte mechanische Armbanduhr mit der 1977 von Daniels erfundenen Koaxialhemmung vor.

2001
Auf der Baseler Uhrenmesse wird von ULYSSE NARDIN eine Armbanduhr vorgestellt, die neben anderen hervorstechenden Eigenschaften eine von Dr. Ludwig Oechslin neu entwickelte ankerlose Hemmung besitzt. Bei der "Dual Direct - Hemmung" übertragen zwei aus reinem Silizium gefertigte Räder abwechselnd die Energie auf die Unruh.

 

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Streifzug durch die Geschichte der Sanduhren

Von Lothar Hasselmeyer, Dresden Mitglied der DGC


Ein von vielen Freunden der alten Uhren nur am Rande beachteter Zeitmesser ist die Sanduhr. Mit den folgenden Betrachtungen möchte ich versuchen die Sanduhr in das ihr gebührende Licht zu rücken und somit das Interesse der Sammler und Liebhaber alter Uhren für diesen Zeitmesser zu wecken. Betrachtet man die Geschichte dieses Instrumentes von der Entstehung bis in die Gegenwart hinein begegnen wir einer überraschenden Vielfalt. Neben der Entwicklungsgeschichte sind die verschiedenen Konstruktionen, Einsatzgebiete und die Hersteller zu betrachten.


Geschichtliches

Fresco von Ambrosio Lorenzetti im Palazzo Publico in Sienna, Jahr 1338., (Repro aus >>Alte Uhren<< 1/1980, Callwey,>>Kurze Geschichte der Sanduhren<<, Charles K. Aked) Wie auch bei der mechanischen Uhr sind Ort und Zeitpunkt der Erfindung der Sanduhr unbekannt. Lange Zeit ging man davon aus, daß sie, wie auch die Sonnen- und Wasseruhr, schon in der Antike bekannt gewesen sei. P. Firlan Kindler führt die Sanduhr in seinem Buch über die Uhren auf die Antike zurück. Als Beleg bringt er ein griechisches Basrelief aus dem 3.Jahrhundert v.Chr. welches in eine Wand des römischen Mattai- Palastes eingemauert ist. Das Relief stellt die Hochzeit des Peleus und der Thetis dar. Unter anderen Figuren sieht man auch Morpheus der sich auf eine Sanduhr Sanduhr des Erasmus von Rotterdam, 1525 (Repro einer Postkarte, gekauft in Basel) stützt. Von Carl Robert, einem Spezialisten antiker Sarkophagreliefs, ist jedoch 1904 festgestellt worden, daß es sich bei diesem Teil des Reliefs um eine Restaurierung aus dem 17.Jahrhundert handelt. Hinweise in der Literatur nach denen schon der griechische Gelehrte Archimedes 200 vor Christi eine Sanduhr besessen haben soll, stammen von Schriftstellern des 16. bis 19. Jh. Eine Quelle dieser Informationen wird nicht genannt. In der Literatur taucht als Erfinder der Sanduhr immer wieder der Mönch Luitiprand aus Chatres aus dem 9. Jh. auf (dieser hatte sich auf dem Gebiet der Glasherstellung hervor getan). Aber auch hier bleibt man den Beweis schuldig. Im Jahre 1665 veröffentlichte der italienische Schriftsteller Martinelli eine Abhandlung über die Sanduhr und bezeichnet diese als etwas ganz Neues. Viergläsrige Kanzelsanduhr, Mathematisch- Physikalischer Salon Dresden, (Foto Lothar Hasselmeyer) Der Ausschnitt aus einem Fresko von Ambrosio Lorenzetti in Siena aus dem Jahre 1338 zeigt sehr gut eine Sanduhr mit allen Details. Es ist die älteste bekannte Darstellung. Die antike Literatur erwähnt die Sanduhr nicht, es gibt auch keine Darstellungen aus dem Altertum. Die ersten Hinweise stammen aus dem 14. Jahrhundert. In diese Zeit muß die Erfindung fallen. Somit ist die Sanduhr erst nach der mechanischen Uhr erfunden worden. Die Sanduhr war in ihrer Herstellung relativ einfach und ohne mathematische Kenntnisse oder Berechnungen von jedermann zu handhaben. Komplizierte Angaben wie bei den Sonnenuhren oder frühen astronomischen Uhren entfielen. Dies war sicherlich einer der Hauptgründe für ihre schnelle Verbreitung. Dem Inventar- Verzeichnis Karls des V. von 1379 ist zu entnehmen, daß er drei Uhren und eine Sanduhr besaß. In einem Wirtschaftsbuch aus dem Jahre 1393 hat ein Pariser Bürger die Art und Weise, wie der Sand für die Sanduhr zu bereiten ist, ausführlich dargelegt. Die Sanduhr kannte man zu dieser Zeit in Frankreich also schon lang genug, daß sie bereits einen festen Platz im Leben der Menschen innehatte. Laut Professor Schinzinger kam die Sanduhr im 14. Jahrhundert durch europäische Mönche nach China. Auch unter den arabischen Uhren befindet sich die Sanduhr, die von den arabischen Schriftstellern wieder und wieder erwähnt wird. 1536 erschien eine eigene Abhandlung darüber, wie die Einschnürung der Sanduhr herzustellen sei und 1585 schreibt Taqi al Din: "Die Sanduhren sind allgemein bekannt und in jedermanns Hand." Die Urheimat der arabischen Sanduhr ist uns heute unbekannt.


Gestaltung der Sanduhren


Von den ersten Sanduhren sind leider keine Exemplare erhalten geblieben. Aus der Zeit vom 16. bis 18. Jahrhundert gibt es zum Teil recht gut erhaltenen Stücke in vielen Kirchen und Museen zu bewundern. Betrachten wir die verschiedenen Arten von Sanduhren sehen wir eine große künstlerische und technische Vielfalt. Die schlafende Versammlung (Repro aus >>Das Sanduhrenbuch<<, Ernst Jünger, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main) Die Reisesanduhr des Erasmus von Rotterdam, wird im Verzeichnis der Ambachschen Sammlungen von 1662 wie folgt erwähnt: "Erasmi bleyern SandÜhrlein von Ebenholz in einem Futter." Die Bemühungen mittels der Sanduhr die Zeit genauer messen zu können, wird bei den Sanduhren mit mehrfach verengten Glaskolben zur Unterteilung der Stunden in kleinere Abschnitte deutlich. Es wird die Zeitablesung durch die Gestaltung des einen viergeteilten Glaskolbens in viertel Stunden Einteilung möglich. Um eine Unterteilung der gemessenen Zeit besser zu erreichen, bediente man sich oft einer Zusammenstellung von Sanduhrgläsern mit verschiedenen Laufzeiten. Gestelle mit zwei Gläsern, in denen das eine Glas eine halbe und das andere Glas eine ganze Stunde liefen kamen zum Einsatz. Auch dreigläsrige Sanduhren wurden gefertigt, diese sind jedoch sehr selten. Leider ist mir nicht bekannt welche Zeiteinteilung bei diesen Gläsern benutzt wurde. Eine weitere Art von Sanduhrzusammenstellungen sind die viergläsrigen Sanduhren. In diesen läuft das erste Glas eine viertel, das zweite eine halbe, das dritte eine dreiviertel und das vierte Glas eine volle Stunde. Man kann somit nach dem Umwenden der Sanduhr den Verlauf einer Stunde in Viertelstundeneinteilung beobachten. Aber es gibt auch sehr seltene Sanduhren mit fünf Gläserpaaren. Hier sind die Laufzeiten wie bei der viergläsrigen Sanduhr - das fünfte Glas jedoch hat eine Laufzeit von 7,5 Minuten. Weshalb man sich die Mühe machte eine Viertelstunde noch einmal zu unterteilen, ist bisher ungeklärt. Einmalige Exemplare mit sechs Gläsern (in Leipzig) und sogar mit acht Gläsern (in Kassel) sind erhalten geblieben. Viele dieser Sanduhrzusammenstellungen haben ein einzeigeriges Zifferblatt. Beim Wenden des Gläsergestelles wird über einen hölzernen Schalthebel, ein Stoffband oder über ein Zahnradgetriebe der Zeiger um eine Stunde weiter gerückt. Die Zeitmessung über einen längeren Zeitabschnitt war also durchaus möglich.


Einsatzgebiete der Sanduhren


Vielfältig ist das Einsatzgebiet der Sanduhren. Im Folgenden sollen die Bekanntesten genannt werden.

- Olivier de la Marche beschreibt in seinen Erinnerungen ein Turnier, das man 1468 am Hofe Karls des Kühnen anläßlich der Hochzeit des Herzogs von York veranstaltete. Die Dauer der einzelnen Kämpfe maß ein Zwerg mit einer Sanduhr ab.

- 1662 wurde das Monopol für mietbare Fackeln durch einen Pariser Parlamentsbeschluß dem Abbé Laudati Caraffe erteilt, der seine Träger mit Viertelstundengläsern ausrüstete. In den Großstätten des 16. und 17. Jahrhunderts führten die Sänften- und Laternenträger Sanduhren am Gürtel mit, nach dessen Ablauf sie den Preis für ihre Dienste berechneten.

- Ein Brief, den Boswell am 22. Oktober 1779 an Samuel Johnson schrieb, deutet darauf hin, daß man hin und wieder Gespräche und Anstandsbesuche nach der Sanduhr bemessen hat.

- Große Bedeutung erfuhr die viergläsrige Sanduhr beim Einsatz auf den Kanzeln in der Kirche. Es kam immer wieder zu Problemen mit redefreudigen Geistlichen, welche die Predigt zu lang ausdehnten. Dadurch fehlten dem Landadel und den Grundbesitzern die Bauern und Tagelöhner auf den Feldern worüber es häufig zu Klagen kam. Im Zuge der Reformation wurden dann in fast allen deutschen Ländern verbindliche Kirchenordnungen eingeführt. In einer Kirchen- und Schulordnung von 1565 heist es: "Die Morgend wie auch alle anderen Predigten sollen durchaus nicht über eine Stunde dauern, deshalb auf jeder Kanzel eine richtige Sanduhr angeschaffet ... die bei Betretung umgewendet werden soll." Das eine Stunde Predigt jedoch mehr als lang genug sein kann zeigt nicht nur der Kupferstich mit dem Titel "Die schlafende Versammlung". So gesteht die heilige Theresa von Avila (1535-1582) in einem Brief, daß sie mehr als einmal gewünscht hätte, den Fall des Sandes zu beschleunigen, der ihre Gebetszeit maß. Gern wird auch folgende kleine Anekdote zitiert: -Wie oft mögen Augen, die mit dem Einschlafen kämpften, durch den Anblick des sich zum Ende neigenden Vorrats erfrischt worden sein. Nur durfte kein freudiger Redner oben stehen wie jener gefürchtete, der gern gegen die Trunksucht predigte und, wenn er ins Feuer gekommen war, das Zeitglas wieder umzudrehen pflegte mit dem Spruche: "Ei, so lasset uns denn noch ein Gläslein genehmigen".

- Ihre wohl größte Bedeutung erlangte die Sanduhr in der Seefahrt. Schon bald nach ihrer Erfindung kam sie auf See zum Einsatz. In den Schiffspapieren der "George" ist eine Quittung über zwölf "glass horloes" erhalten, welche 1345 in der flandrischen Hafenstadt Sluis gekauft wurden. Während der großen Entdeckungsfahrten richtete sich der Dienst auf den Segelschiffen nach Sanduhren. Die Borduhr wurde Glas genannt und lief eine halbe Stunde. Acht Glasen waren vier Stunden = eine Wache. Die halbe Stunde wurde mit einem einfachen, die vollen Stunden mit einem Doppelschlag an der Schiffsglocke angeschlagen. Acht Glasen -vier Doppelschläge- bedeuteten das Ende der Wache. Kolumbus führte eine Menge Halbstundengläser "ampolettas" genannt mit. In seinem Bordbuch notiert er unter dem 13. Dezember 1492, daß sich die Sanduhr von Sonne zu Sonne zwanzig mal entleerte, er maß also eine zehnstündige Nacht. Um 1600 zählte der Mathematiker Jon Dee zur Ausrüstung von Schiffen Sanduhren mit einer Laufzeit von einer halben, einer und drei Stunden. Gefechtsberichte über die Schiffstreffen sind bis zum 19. Jahrhundert von Sanduhrzeiten erfüllt. Das Gefecht auf Lake Champlain 1776 dauerte nach Arnolds in einem in der Geschichte der Royal Navy abgedrucktem Bericht "fünf Sanduhren", also zwei und eine halbe Stunde lang. Der bekannte holländische Entdecker und Seefahrer Barents soll eine 12 Stunden Sanduhr auf seinen Seereisen mitgeführt haben. Es ist aber auch sehr interessant zu wissen, wie genau die Sanduhr ihren Dienst als Zeitmesser versah. 1703 wurde ein aus fünf Schiffen bestehendes französisches Geschwader vor Spitzbergen vom Nebel überrascht. Neun Tage lang war die Sonne nicht sichtbar, und so weit nördlich konnte man den Tag nicht von der Nacht unterscheiden. Zur Zeitmessung standen lediglich Sanduhren zur Verfügung. Darstellung des Loggens (Repro aus >>Ferdinand Berthoud<<, MIH, La Chaux-de-Fonds,1984)  
















Als der Nebel sich zerstreute, stellte man fest, daß die mit Hilfe der Sanduhren gemessene Zeit um elf Stunden von der wahren Zeit abwich. Dies entspricht je umgewendeten Halbstundenglas einer Zeitdifferenz von 1 und 1/2 min. Durch das Schwanken des Schiffes litten offenbar die Sanduhren sehr in ihrer Ganggenauigkeit. Der Seefahrer Joáo de Castro ( ein Zeitgenosse von Kolumbus) versuchte für astronomische Beobachtungen eine Übereinstimmung von Sand- und Sonnenuhren zu erzielen, indem er einen Tisch so waagerecht wie möglich aufhängen ließ. Allerdings war der Erfolg gering, die der Sonnenuhr am nächsten kommende Sanduhr ging eine 1/4 Stunde vor. Eine französische Schiffssanduhr aus der Zeit um 1820 zeigt, daß dieser Zeitmesser, wenn auch mit untergeordneter Bedeutung, noch im 19. Jahrhundert zum Einsatz kam. Über einen Zeitraum von mehr als 400 Jahren ist die Sanduhr auf See benutzt worden. Das verdankt sie sicherlich nicht ihren guten Gangergebnissen. Die Gründe hierfür sind vor allem der günstige Preis im Verhältnis zum mechanischen Zeitmesser, die Wetterfestigkeit und die relativ geringe Störanfälligkeit.

- Zum Messen der Schiffsgeschwindigkeit leistete die Sanduhr ebenfalls lange Zeit unentbehrliche Dienste. In einem Reisejournal der Magellanschen Weltumsegelung wird die früheste Anwendung des Loggens niedergelegt, ohne jedoch die Hilfsmittel zu beschreiben. Erstmals wird das Logglas 1607 erwähnt. Es kamen Sanduhren mit einer Laufzeit von 14 oder auch 28 Sekunden zum Einsatz. Das Handlog besteht aus einem Logscheit, welches am Achterschiff ins Wasser geworfen wird. Es ist mit Blei beschwert, damit es aufrecht schwimmt und dem Wasserdruck ausgesetzt ist. An ihm ist die Logleine befestigt, deren anderes Ende auf der Logrolle aufgewickelt ist. Zwei Personen halten die Logrolle, eine dritte die Loguhr und läßt die Logleine durch seine andere Hand gleiten. Sobald die Nullmarke durch die Hand läuft, wird die Sanduhr umgedreht und nach 14 Sekunden die Logleine gestoppt. Auf der Logleine sind im Abstand von 14 Meridiantertien (etwa 7 Meter) Knoten angebracht. Ein Knoten entspricht einer Seemeile pro Stunde und ist noch heute das Maß für die Schiffsgeschwindigkeit.

- Die Sanduhr fand ihren Einsatz in vielen Bereichen der Öffentlichkeit und Wirtschaft. Der Gebrauch von Sanduhren zur Bemessung der Redezeit wird des Öfteren beschrieben. In der französischen Nationalversammlung von 1789 waren Sandgläser in Gebrauch. Während der Diskussion über die Menschenrechte herrschte eine solche Redefreudigkeit, daß ein Abgeordneter beantragte, die Laufdauer des Sandes auf fünf Minuten herabzusetzen. M.Engelmann berichtet 1925 über dieRedezeituhr des Breslauer Rathauses aus dem 17. Jh. in deren Mittelteil sich eine viergläsrige Sanduhr befindet. Im Gerichtssaal von Mons begleitete das Rieseln einer viergläsrigen Sanduhr noch 1850 die Plädoyers. Bis zum Jahre 1951 wurden im englischen Unterhaus die Abgeordneten zur Abstimmung durch eine Glocke zusammengerufen, die solange läutete, wie eine auf dem Tische des Präsidenten stehende Zweiminutensanduhr lief.

- Auch der Gebrauch beim Lehren und Studieren hat eine lange Tradition. Im Mercure Galant vom Oktober 1678 findet sich die Bemerkung: "Es gibt nur wenige Studierzimmer, wo die Sanduhr nicht in Gebrauch wäre." Theodor Fontane sagt in "Frau Jenny Treibel" um den Respekt zu kennzeichnen, den ein Lehrer genoß: "Wenn er in die Klasse trat, so hörte man den Sand durch das Stundenglas fallen." und Dr. Walter Künzel berichtet: Ich entsinne mich noch gut an die Sanduhr, die im badischen Referendar- Examen auf dem Tische stand, hinter dem die Prüfenden und vor dem die Kandidaten saßen. In sechs Abteilungen zu je zwanzig Minuten wurde geprüft. Es kam nicht selten vor, daß der Kandidat keine Antwort mehr zu geben brauchte, weil mit der Formulierung der Frage durch den Prüfenden auch das letzte Sandkorn in das untere Glas gefallen war.

Töpfer vor dem Brennofen 1548 (Repro aus >>Das Sanduhrenbuch<<, Ernst Jünger, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M.)

























 - In der Industrie hielt die Sanduhr schon frühzeitig ihren Einzug.Ein Stich dem Jahre 1548 zeigt einen Töpfermeister vor dem Ofen sitzend, neben ihm auf dem Hocker steht die Sanduhr mit der er die Brenndauer kontrolliert. Auch in Bereichen in denen Flüssigkeiten und Dämpfe auftraten war sie ein brauchbarer Zeitmesser. Darstellungen der Labororatorien der Alchimisten zeigen immer wieder die Sanduhr. Bis in unser Jahrhundert hinein wurden Sanduhren bei arbeiten eingesetzt bei denen Metall angegriffen wurde, wie zum Beispiel beim Abfüllen von Säuren.
- Mit der Erfindung des Telefons fand die Sanduhr ein weiteres Einsatzgebiet. Am Ende des 19. Jahrhunderts waren im Berliner Hauptfernsprechamt neunzig Sanduhren zum Messen der Dreiminutengespräche in Gebrauch.
- Wissenschaftliche Expeditionen bedienten sich ebenfalls der Sanduhr. Im Jahre 1660 wurde im Auftrage der Royal Society in London eine Forschungsreise auf den Pic von Teneriffa unternommen. Punkt vier der Aufgabenstellungen war: "Mit Hilfe einer Sanduhr erkunden ob eine Pendeluhr auf dem Gipfel langsamer oder schneller als unten geht." 1877 wurde in Deutschland ein Botaniker- Systemstockes patentiert. Er beherbergt eine fünf- Minuten- Sanduhr.

Puls- Sanduhren, links 1936, rechts 1994 (Bild P. Müller)- In der Medizin war die Dosierung von Heilbädern und Bestrahlungen mittels Sanduhr lange Zeit durchaus üblich. Heute noch oder besser wieder findet man in fast jeder Sauna diesen Temperatur- unempfindlichen Zeitmesser. Auch ist der Gebrauch als Hilfsmittel zur Pulsmessung nach wie vor aktuell. Das Bild links zeigt die zwei üblicherweise benutzten Typen. Die linke dieser beiden Pulsuhren stammt aus einem Hebammenkoffer aus dem Jahre 1936 und hat eine Laufzeit von 15 Sekunden. Die andere ist aus dem Jahre 1994, hat eine Laufdauer von 30 Sekunden und kann in fast jeder Apotheke gekauft werden. Diese bis hier genannten 12 verschiedenen Einsatzgebiete der Sanduhr haben eine nicht geringe Bedeutung. Das Einsatzgebiet, welches heute oftmals der Sanduhr den Namen Eieruhr einbringt, das Eierkochen - also der Einsatz in der Küche - soll hier nicht unerwähnt bleiben. Es gibt Küchensanduhren die auf drei, vier oder fünf Minuten einstellbar sind und nach Ablauf umkippen, wobei der Klöppel an eine Glocke schlägt. Sand- (Eier)uhren gibt es heute in vielen verschiedenen Ausführungen zu kaufen. Eine Durchsicht der englischen Patent- Literatur zeigt, daß es ca. 21 Patente für Sanduhren und Geräte, die nach dem Sanduhr- Prinzip arbeiten, gab. Viele von ihnen betreffen das Kochen von Eiern. Unabhängig der technischen Entwicklung blieb die Sanduhr in der Küche durch die Jahrhunderte hindurch in Gebrauch und sorgte so dafür, daß es nur wenige Menschen gibt, denen dieser Zeitmesser unbekannt ist.


Sanduhrmacher


Nachdem wir uns dem Gebrauch der Sanduhren gewidmet haben betrachten wir nun die Hersteller von Sanduhren. In den "Nachrichten von den vornehmsten Künstlern und Werkleuten, so innerhalb hundert Jahren in Nürnberg gelebt haben" von Johann Neudörffer die bis etwa 1550 reichen, werden Sanduhrmacher nicht aufgezählt. Bekannt ist das Wappen der Nürnberger Sanduhrmacher von 1574. Der Nürnberger Meisterkodex von 1649 weist den Sanduhrmacher Wolff Rech auf. 1698 erschienen in Regensburg Christoph Weigels "Abbildungen der Gemein- Nützlichen Haupt- Stände". Er schreibt, daß die Wissenschaft die Sand- Uhren zu machen, lange Zeit frei geblieben sei. Seines Wissens werde sie nun in Nürnberg unter die gesperrten Handwerke gezählt. Als Prüfungsaufgaben für die Meisterprüfung wird die Anfertigung von vier verschiedenen Sanduhren angegeben: 1. eine kleine Uhr mit Blei - Sand 2. eine Uhr mit vier Gläsern, von weißem Sand, davon das erste die viertel, das andere die halbe, das dritte drei viertel, und das vierte die ganze Stunde andeutet 3. eine Uhr von dreien Stunden, ebenfalls mit weißem Sand gefüllet 4. eine Uhr von zweien Gläsern, deren eines mit der halben, das andere mit der ganzen Stund auszulauffen pfleget. Das einzige bekannte Bild eines Sanduhrmachers wurde in Nürnberg gemalt. Es stellt den fünfzigjährigen Sanduhrmacher Carl Schubart dar. Im Verzeichnis der Nürnberger Hausbesitzer von 1812 wird Wolfgang Tobias Stoer als letzter Sanduhrmacher aufgeführt. Wenn auch in bescheidenem Maße, so hat doch dieses Handwerk seine Meister über die Jahrhunderte ernährt. In einem 1797 erschienenen englischen Werk werden alte Kircheneinrichtungen beschrieben. Es findet sich die Angabe, daß im Jahre 1591 von der Kirche der Heiligen Helena in Abingdon für eine Kanzelsanduhr vier Pence verausgabt worden. Es ist eine der ersten englischen Kanzelsanduhren von der man Kenntnis hatte und eine der wenigen, von welcher der Preis bekannt ist. Wie aus einem Auftrag der Akademie der Marine in Frankreich an den Stadtvater von Dünkirchen aus dem Jahre 1780 hervorgeht, wurden 700 nicht befestigte Sanduhren mit einer halben und einer viertel Minute Laufdauer bestellt. Ein weiterer Auftrag 1799 über 100 Sanduhren mit einer halben Minute Laufdauer bestätigt den hohen Bedarf an Sanduhren. Im Jahr 1801 war in Nürnberg der Handel mit Sanduhren bedeutender als der mit Taschenuhren.


Sanduhren nicht nur ein Zeitsymbol


Größte Sanduhr der Welt (Repro aus Zeitschrift >>PM<< 1994, Nr.11)

















In der Gegenwart hat die Sanduhr als Zeitmesser zwar keine Bedeutung mehr, sie begegnet uns jedoch öfters als wir es bewußt wahrnehmen. Im Guiness- Buch der Rekorde finden wir die größte und die kleinste Sanduhr der Welt. Die kleinste Sanduhr mit einer Höhe von 2,4 cm und einer Laufzeit etwas weniger als 5 Sekunden wurde 1992 von Bernhard Möller einem Hamburger Mechaniker angefertigt. Die größte Sanduhr der Welt befindet sich im Sandmuseum in der japanischen Stadt Nima. Sie ist 6 Meter hoch und hat eine Laufdauer von einem Jahr. Das Glas dieser Sanduhr wurde übrigens bei Schott in Deutschland gefertigt. Eine noch größere Sanduhr in der Schweiz mit der Höhe von 6,20 Meter hat ihren Probelauf bereits bestanden. Kein anderer Zeitmesser hat die Sinnfälligkeit des Begriffes Zeit so erlangt wie die Sanduhr. Wir finden sie in allen Kunstgattungen quer durch die Jahrhunderte. Als Attribut des heiligen Hironymus, des Gottes der Zeit Chronos und des personifizierten Todes war sie vielen Künstlern ein wichtiges Mittel zur Gestaltung ihrer Kunstwerke. In der Malerei taucht die Sanduhr als Symbol der Vergänglichkeit immer wieder auf. Das Anhalten der Zeit wird oft durch ein auf die Seite gelegtes, der Tod durch ein zerbrochenes Stundenglas dargestellt. Bei den Bilderfolgen von Totentänzen und bei der Gestaltung von Grabmahlen ist die Sanduhr bis in die heutige Zeit immer wieder anzutreffen. In der Dichtung hat sich dieser Zeitmesser ebenso etabliert. Bei fast allen bekannten Dichtern finden sich entsprechende Zitate. Die vierte Strophe des Liedes "Hoch auf dem gelben Wagen"

Sitzt einmal ein Gerippe
dort beim Schwager vorn,
schwenkt statt der Peitsche die Hippe,
Stundenglas statt des Horns, ...

zeigt wie tief die Sanduhr im alltagsgebrauch der Menschen verwurzelt ist. Auch an den Uhren ist die Sanduhr in ihrer Symbolik nicht selten vertreten. Es handelt sich dabei oft um Darstellungen an Gehäusen und Zifferblättern von Pendulen, Stand- und Taschenuhren, oder auch in der Uhr auf den Spindelkloben, Platinen oder Pendellinsen. Auch auf den Zifferblättern von Sonnenuhren ist die Sanduhr zu finden. Ob es sich um Werbung handelt oder um ökologische Probleme, immer wieder wird die Sanduhr als Zeitsymbol herangezogen. Sogar in der Computerwelt hat sich die Sanduhr fest etabliert. Nicht nur bei Computerspielen, sondern auch bei Textverarbeitungen und Datenbanken und sogar als Aufforderung zum geduldigen Warten am Geldautomaten begegnet uns des öfteren die Sanduhr. Im Souvenirverkauf spielt die Sanduhr keine große Rolle, allerdings kann man bei einiger Aufmerksamkeit eine ganze Reihe verschiedener Modelle zu sehen bekommen. Von einfachen bis recht kostspieligen Exemplaren reicht das Angebot - Preise bis zu 300 DM sind dabei durchaus möglich. Aber wie auf diesem Bild zu sehen ist, kann man aus Hongkong sogar eine voll elektronische Sanduhr beziehen.

Quarzsanduhr aus Hongkong, Foto Lothar Hasselmeyer

Dieser Streifzug durch die Geschichte der Sanduhr ist keineswegs vollständig und läßt noch so manche Frage offen. Die meisten Informationen sind aus den spärlichen zur Verfügung stehenden Literaturhinweisen zusammengetragen. Ich würde mich über jede Kritik und Anregung seitens der Leser dieser Veröffentlichung freuen um Informationslücken zu schließen und mögliche Fehler korrigieren zu können.

Quellenangabe / Literaturverzeichnis
1. Zur neuerworbenen Kanzeluhr im Schütgen-Museum, Köln, REINER DIECKHOFF, Alte Uhren 4/78, S. 332
2. Sanduhr- Konstruktionen für 24 Stunden, KLAUS MAURICE, Uhren 2/92, S.32
3. Das Sanduhrenbuch, ERNST JÜNGER, Frankfurt/M. 1954, S. 151 - 250
4. Die Geschichte der Zeitmesskunst, CLAUDIUS SAUNIER, Ins Deutsche von Gustav Speckhart, Bautzen 1904
5. Die Uhren, P. FINTAN KINDLER, Köln 1905, S. 15 f.
6. Von den Zeitmessern des Altertums bis zur modernen Präzisionsuhr, CARL MARFELS, Neckargemünd 1925, S. 11
7. Über die Uhren im Bereich der islamischen Kultur, EILHARD WIEDEMANN, FRITZ HAUSER, Halle 1915, S. 3 f.
8. Zeitmessung und Uhren im Spiegel der Geschichte, MAX ENGELMANN, Halle 1925, S. 26 f.
9. Die Uhr, ANTON LÜBKE, Düsseldorf 1958, S. 85 f.
10. Alte Uhren, HANS WÜHR, Darmstadt, S. 7 f.
11. 200 Jahre Schwenninger Uhren 1765 - 1965, PETER KURZ, Schwenningen 1965, S. 49 f.
12. Uhren und Messinstrumente, SAMUEL GUYE, HENRI MICHEL, Zürich, S. 266 f.
13. Zeit und Kultur, RUDOLF WENDORFF, Westdeutscher Verlag, S. 189 f.
14. Uhren- Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber, ERNST VON BASSERMANN- JORDAN, Berlin 1922, S. 106 f.
15. Heavenly Clockwork, JOSEPH NEEDHAM, WANG LING, DEREK J. DE SOLLA PRICE, Cambridge 1960
16.  Uhren, SIMON FLEET, Frankfurt am Main, S. 19 f.
17. Die Geschichte der Stunde, GERHARD DOHRN- VAN ROSSUM, Carl Hanser Verlag, S.114 f.
18. Abbildungen der Gemein- Nützlichen Haupt- Stände, CHRISTOPH WEIGEL, Regensburg 1698, S. 405 - 408