GESCHICHTE DER UHR
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"Zeit" ist ein so elementarer Begriff, dass zwar jeder weiß, was
damit gemeint ist, aber kaum auf Anhieb imstande ist, ihn präzise zu
beschreiben. Um etwas messen zu können, müssen Maßstäbe vorhanden sein.
Der Tag ist die kleinste Zeiteinheit, die durch die Bewegungen von Himmelskörpern vorgegeben ist. Damit konnten sich die Menschen so lange zufrieden geben, bis ihre Gemeinschaften eine Organisationsstufe erreichten, die ein exakteres Zusammenspiel, eine genauere Abstimmung der Tätigkeiten erforderte. Und das dauerte sehr lange, verlief doch das Leben in früheren Zeiten so langsam, dass eine präzise Unterteilung des Tages in Stunden gar nicht nötig war. Und selbst als man schließlich dazu überging, gliederte man zunächst lediglich den Lichttag, d. h., die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Eine Zeitmessung während der Nacht war für unsere Vorfahren bedeutungslos, da bei Einbruch der Dunkelheit jede Tätigkeit eingestellt wurde. Bereits um das Jahr 5000 v. Chr. wurden in Ägypten Sonnenuhren zur Zeitmessung verwendet. Aus China sind Sonnenuhren aus der Zeit um 3000 v.Chr. bekannt, Sonnenuhren gab es auch bei den Inkas, vermutlich in Verbindung mit kultischen Zwecken, und in Indien schuf Jai Singh um 1700 gewaltige Sonnenobservatorien. In allen Kulturen stellt die Sonnenuhr das erste Zeitmessinstrument dar. Mechanische Uhren gibt es seit dem 13. Jahrhundert. Sie gehören damit zu den ältesten Erzeugnissen "moderner" Technik. Der in ihnen verwirklichte Erfindungsreichtum, ihre komplizierte und sinnreiche Mechanik und nicht zuletzt ihre Schönheit haben von jeher die Menschen begeistert. In unserer Zeit, da die mechanischen Uhren fast völlig von ihren elektronischen Nachfolgern verdrängt wurden, hat diese Faszination noch mehr zugenommen. Gerade die Tatsache, dass sie beginnen unmodern zu werden, verleiht den mechanischen Uhren einen nostalgischen und sentimentalen Reiz. Alte Uhren sind ein hoch interessanter Spiegel der kulturellen und sozialen Entwicklung, und sehr oft Kunstwerke von hohem Rang.
5000 vor Chr.
Bereits um das Jahr 5000 v. Chr. wurden in Ägypten Sonnenuhren zur
Zeitmessung verwendet. Aus China sind Sonnenuhren aus der Zeit um 3000 v.Chr.
bekannt, Sonnenuhren gab es auch bei den Inkas, vermutlich in Verbindung mit
kultischen Zwecken, und in Indien schuf Jai Singh Eine Sonnenuhr aus Ägypten sehen Sie hier rechts. Ihr zeitanzeigendes
Element ist eine senkrechte Steinsäule von etwa 6 Meter Höhe mit einer Spitze,
die bei Sonnenschein einen Schatten wirft. Da die Sonne im Lauf eines Tages vom
Aufgang bis zum Untergang sowohl die Höhe über dem Horizont wie auch die
Himmelsrichtung ändert, kann der Schatten auf zweierlei Weise zur
Zeitbestimmung dienen: entweder durch Ausmessen der Schattenlänge oder durch
Feststellung der Richtung des Schattenwurfs. Nun ist aber der Stand der Sonne nicht allein von der Tageszeit, sondern auch von der Jahreszeit und unserem Standort auf der Erdoberfläche abhängig. Dadurch wird der Gebrauch der Sonnenuhr zur exakten Zeitmessung ziemlich kompliziert, er erfordert eine ganze Reihe von astronomischen Kenntnissen. Grundsätzlich gibt die Lage bzw. die Länge des Schattens eines von der Sonne beschienenen Stabes die Zeit des betreffenden Ortes auf der Erdkugel, die sog. Ortszeit, an. Während bei den Sonnenuhren des Altertums der schattenwerfende Stab stets senkrecht auf der Erdoberfläche stand oder waagrecht aus einer Wand herausragte, werden etwa seit dem 15. Jahrhundert hauptsächlich Sonnenuhren verwendet, deren Stab parallel zur Erdachse gerichtet ist. Der Neigungswinkel gegen die Ebene des Horizontes ist dabei gleich der geographischen Breite des Aufstellungsortes. Je nach Lage der Projektionsebene des Schattens unterscheidet man dabei verschiedene Arten von Sonnenuhren:
Die Projektionsebene für den Schatten liegt parallel zum Äquator, also senkrecht zum Stab. Die Sektorenwinkel, um die sich der Schatten stündlich um den Fußpunkt der Scheibe dreht, sind gleich. Sie betragen 15°, entsprechend der Bewegung der Sonne. Soll eine Äquatorialsonnenuhr auch im Winterhalbjahr brauchbar sein, so muss der Stab auch auf die untere Hälfte der Uhr Schatten werfen.
Die Schattenebene liegt in der Ebene des Horizonts. Die Winkel zwischen den einzelnen Stundenlinien sind unterschiedlich groß.
Sie hat ebenfalls ungleiche Stundenabstände. Kompliziert wird die Berechnung der Stundenlinien, wenn die Wand nicht senkrecht zur Meridianebene liegt. Für astronomisch genaue Zeitbestimmungen aus dem Stand der Sonne bedarf es noch eines Korrekturwertes, der sog. Zeitgleichung (d. h. "Zeitausgleich"), um aus der wahren Sonnenzeit die für uns heute gültige mittlere Sonnenzeit zu erhalten. Nur viermal im Jahr, und zwar am 15. April, 15. Juni, 31. August und 24. Dezember, stimmen wahre Sonnenzeit und mittlere Sonnenzeit überein. Der Unterschied kann bis zu 16 Minuten betragen. Der Grund für diese Erscheinung ist die Bewegung der Erde um die Sonne in einer exzentrischen Bahn, wobei ferner ihre Bahnebene, die Ekliptik, gegenüber dem Erdäquator geneigt ist. Es ergeben sich dadurch Änderungen der Länge des wahren Sonnentags gegenüber dem mittleren Sonnentag, den man erhält, wenn man das Jahr in gleich lange Tage einteilt. Doch kehren wir zum Altertum zurück: Die Anforderungen an die Genauigkeit der Zeitangabe waren längst nicht so groß wie heute. Es genügte im allgemeinen, aus der Länge des eigenen Körperschattens die Tageszeit zu bestimmen. Dazu wurde der Schatten durch Abschreiten, Fuß vor Fuß, gemessen, nachdem man sich vorher die Stelle gemerkt hatte, wo der Schatten des Kopfes war. Die antike Beschreibung dieses Verfahrens besagt, die Natur habe es so eingerichtet, dass kleinere Leute auch kürzere Füße hätten, so dass sich ein konstantes Verhältnis zwischen der Körpergröße eines Menschen und seiner Fußlänge ergebe. Der Begriff der Kompensation, der in der Zeitmessung noch oft eine bedeutende Rolle spielen wird, tritt hier erstmals auf. Für uns ist es heute selbstverständlich, dass eine Stunde einen immer gleich langen Zeitabschnitt bedeutet. Nicht so für die Zeitgenossen des Kaisers Augustus! Die damals gebräuchlichen Temporalstunden änderten sich mit der Jahreszeit. Die antiken oder "jüdischen", Stunden wurden so ermittelt, dass die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, also der Lichttag wie auch die Nacht, in je 12 gleiche Teile eingeteilt wurde, Die Zeitangaben der Bibel beruhen beispielsweise auf dieser Stundeneinteilung. Dieses System funktioniert um so schlechter, je weiter man sich vom Äquator entfernt. Zur Zeit der Sonnenwende war der Unterschied zwischen der Länge der Tagstunden und der Nachtstunden besonders groß. Dem sollten die sogenannten "Planetenstunden" abhelfen, bei denen der Lichttag und die Nacht in je 12 ungleiche Teile geteilt wurden. Dabei ist die Mittagstunde größer als die Morgen- oder Abendstunde, wenn der Lichttag länger als die Nacht ist (also im Sommer), und kleiner, wenn der Lichttag kürzer als die Nacht ist. Zweimal im Jahr fallen die jüdischen und die Planetenstunden zusammen, nämlich in den Äquinoktien. Noch komplizierter wurde die Zeitangabe durch den unterschiedlichen Beginn der Zählung: Die italienische Zählung mit Beginn bei Sonnenuntergang und Zählung bis 24, wobei entweder bei 0 begonnen und vorwärts oder bei 24 begonnen und rückwärts gezählt wird, die griechische oder babylonische Zählung von 0 bis 24 mit Beginn bei Sonnenaufgang oder, im Mittelalter, die Nürnberger Zählung mit Beginn bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang und Zählung jeweils bis 12 . Wie einfach mutet uns demgegenüber unser heutiges System an! Wenn wir auch das Wort "Sonnenuhr" meist mit Kirchen oder öffentlichen Gebäuden in Verbindung bringen, so hat doch auch die tragbare Sonnenuhr eine große Bedeutung gehabt. Das Problem war nur, eine solche Uhr zunächst in die richtige Lage zu bringen, damit die Zeit auch richtig abgelesen werden konnte. Zur Lösung des Problems standen zwei Wege zur Verfügung: Je nachdem, ob man die Höhe des Sonnenstandes über dem Horizont oder den Stand der Sonne gegenüber dem Meridian zur Zeitbestimmung heranziehen wollte, benötigte man entweder die Kenntnis der Senkrechten zur Erdoberfläche oder aber die Kenntnis der Himmelsrichtung. Am einfachsten war freilich die Bestimmung der Senkrechten. Zu diesem Zweck wurde die Sonnenuhr mit einem Senklot ausgerüstet, wie z. B. die tragbare Sonnenuhr des Kaisers Friedrich 111. aus dem Jahr 1438. Zur Zeitbestimmung war folgendermaßen vorzugehen:Der Sonnenquadrant wurde so gehalten, dass das
Sonnenlicht gerade streifend über die obere Kante fiel. Diese Kante bildete die
Visierrichtung zur Sonne. Damit hatte man die Sonnenhöhe, also den Winkel der
Sonne über der Horizontalen, ermittelt. Das "Zifferblatt" dieser Uhr
ist nun so eingerichtet, dass der Schnittpunkt des Fadens des Senklotes mit der
dem Datum entsprechenden Skala die Zeit angibt. Die Linien, die je nach Datum
zur Zeitablesung dienen, sind mit den dazugehörigen Tierkreiszeichen
gekennzeichnet. Eine genaue Zeitbestimmung war mit diesem einfachen Instrument
allerdings nicht möglich. Besonders im Winter war bei der geringen Sonnenhöhe
die Anzeige zwischen 11 Uhr, 12 Uhr und 13 Uhr kaum zu unterscheiden. Nach etwa
16Uhr versagte die Uhr vollends: die Sonne war untergegangen. Eine erhebliche Verbesserung der Zeitbestimmung erbrachten die Sonnenuhren. Sie waren mit einem Kompass versehen, mit dessen Hilfe die Uhr in Nord-Süd-Richtung eingestellt werden konnte. Wie aus der Abbildung (hier links) zu erkennen ist, besteht die Uhr aus zwei Teilen: dem waagrechten Boden und einem um 90' aufklappbaren, also senkrecht zu stellenden Deckel. Der Boden enthält eine Kompassnadel und trägt gleichzeitig die Stundenmarken einer Horizontalsonnenuhr. Auf dem Deckel befindet sich ein Polhöhenverzeichnis einer Reihe von Orten zwischen dem 47. und 55. Breitengrad. In der Mitte ist ein Schieber angebracht, in dessen Öse der schattenwerfende Faden eingehängt und auf die entsprechende Polhöhe eingestellt wird. Für die Polhöhen von 39 bis 42 und 45 bis 48 Grad sind Einlegeplatten vorhanden, so dass die Uhr zwischen Lissabon und Kopenhagen verwendet werden konnte. Bei Sonnenuhren in der Art von Abbildung kann die Zeit sowohl auf dem Horizontal- wie auch auf dem Vertikalzifferblatt abgelesen werden. Die Einstellung der Uhr ist richtig, wenn beide Angaben übereinstimmen. Erstaunlich ist der Formenreichtum dieser Uhren, der dem der Räderuhren in keiner Weise nachsieht, so dass es sich lohnt, hier noch etwas zu verweilen: Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts haben ganze Generationen von sogenannten "Kompassmachern", ihre Erfindungsgabe damit bewiesen. Der Name weist schon darauf hin, wie wichtig der Gebrauch des Kompasses in diesen Uhren war. Da es dabei auf die möglichst exakte Bestimmung des Meridians ankam, merkten die Kompassmacher bald, dass die Magnetnadel nicht genau nach Norden zeigte, sondern um einen bestimmten Betrag, die "Missweisung", von der genauen Himmelsrichtung abwich. Aus den erhaltenen Sonnenuhren lässt sich schließen, dass die Kenntnis der Missweisung etwa Ende des 13. Jahrhunderts Allgemeingut der Kompassmacher wurde. Die Kompassmacher halfen mit ihren tragbaren Sonnenuhren, den Zeitraum von den Anfängen der Räderuhr bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zu überbrücken, als endlich eine verlässliche Taschenräderuhr, wenn auch zu hohem Preis, angeboten wurde. Unentbehrlich war die Sonnenuhr auch dann noch zur Gangkorrektur der Räderuhren, denn eine "Normalzeit" war ja noch unbekannt. Zu einem Zentrum der Kompassmacher entwickelte sich Augsburg. Als förderlich für die Herstellung von Sonnenuhren in Augsburg erwiesen sich die günstigen Absatzverhältnisse im Ausland. Bestimmend dafür waren die weltweiten Beziehungen der Handelshäuser Welser, Fugger und anderer, die in regem Warenverkehr mit Italien, Spanien, den Niederlanden, England und den überseeischen Ländern standen. Die Schwierigkeiten waren zu Beginn der Sonnenuhrherstellung enorm, denn die Kompassmacher mussten mit dem Problem der Vielzahl der Stundenzählung und der unterschiedlichsten Dauer der Stunden fertig werden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schuf der Benediktinermönch Velt Bild die Konstruktionsunterlagen für Wand- und Taschensonnenuhren. In Basel, Paris und Ingolstadt entwickelte sich um diese Zeit eine spezielle Sonnenuhrliteratur. Da in Augsburg von den organisierten Handwerkern der Standpunkt vertreten
wurde, dass die Anfertigung von Sonnenuhren der Handwerkssatzung unterliege,
waren nur anerkannte Meister dazu befugt. Nichtmeistern wurden erhebliche
Schwierigkeiten bei der Zulassung bereitet. Bekannte Meister waren Klieber,
Schißler, Stahel, Zorn, Bener, Pepfenhauser, Willebrandt und manche andere, deren Namenszüge
die berühmtesten Sonnenuhren trugen. Abnehmer waren Astronomen, Universitäten,
Fürstenhöfe, Könige und Kaiser. Die Uhren wurden ausschließlich aus Metall
hergestellt, wobei Silber und Messing, teilweise vergoldet, bevorzugt wurden.
Sie boten vollendete Technik und feinstes Dekor, konnten flach zusammengeklappt
in einem Etui auf Reisen mitgenommen werden. Im Laufe der Zeit fanden vorzugsweise Äquatorialsonnenuhren Interesse, denen eine genaue Polhöhentafel und eine Gebrauchsanweisung beigegeben wurden. Die Gebrauchsanweisung für Sonnenuhren eines der letzten Kompassmacher, Johann Nepomuk Schrettegger (1764 bis 1843), lautet: Gebrauch dieses Compasses:"Zuerst hebet man den Stunden Ring in die Höhe, und nachdem man ihn vermittelst des daran befindlichen Einschnittes an den Quadranten, wodrauf die Grade der Polhöhe gezählet werden müßen, angeschlossen hat, richtet man ihn auf den gehörigen Grad der Polhöhe, z. B. für Augsburg auf den 48. Grad etc. Ist dieses geschehen, drehet man zur Zeit, da die Sonne scheinet, das ganze Instrument so lange umher, bis die bewegliche Magnetnadel mit der unbeweglichen, weiche auf den Boden des Instruments gestochen ist, gerade die nämliche Richtung hat. Und sieh, der Zeiger, welcher im Mittelpunkt des Stunden Ringes angebracht ist, und welcher vom 23, März bis zum 22. September aufwärts, die übrige Jahreszeit aber abwärts sehen muß, wird die wahre Zeit anzeigen. Der Senkei dienet, das Instrument wasserrecht zu stellen. Zudem, damit die Zeit genau angezeiget werde, ist es auch nothwendig, daß in der Nähe des Instruments kein Eisen sich befinde". Sosehr auch Theorie und Praxis zur Vervollkommnung der Sonnenuhren beigetragen haben - sie alle haben einen Fehler, der sich nicht beseitigen lässt: Wenn die Sonne nicht scheint, sind sie nicht zu gebrauchen.
In der Antike
Das Bedürfnis, die Zeit auch bei bedecktem Himmel oder nachts zu erfahren,
war die eigentliche Triebkraft zur Erfindung künstlicher Uhren. Die Entwicklung
der Uhren ist dabei eng mit dem Fortschreiten der übrigen Technik verbunden.
Jeder technische Fortschritt hat befruchtend auf die Zeitmessung gewirkt.
Aufgrund der engen Wechselwirkung kann umgekehrt auch aus den Uhren einer
bestimmten Zeitepoche auf den Stand der Technik geschlossen werden. Die ältesten künstlichen Uhren waren Wasseruhren. Uns sind aus dem Jahr 3000 v.Chr. (Ägypten) sowie 600 v.Chr. (Babylon) solche einfachster Art bekannt, bei denen das Wasser aus einer kleinen Öffnung eines Gefäßes ausfloss und man aus der Höhe des Wasserspiegels die abgelaufene Zeit ablesen konnte. Auch das umgekehrte Prinzip war bekannt: Ein Gefäß mit einer Öffnung am Boden wurde in einen mit Wasser gefällten Trog gesetzt. Durch die Öffnung drang langsam Wasser ein, so dass es tiefer und tiefer sank und schließlich unterging (Indien). Wasseruhren waren zur Zeit der Römer sehr verbreitet und im täglichen Gebrauch so häufig, dass eine Anzahl von stehenden Redensarten daraus entstand. Vor Gericht dienten sie zur Festlegung der Redezeit. Tacitus nennt sie daher "Zügel der Beredsamkeit". Auf Wasseruhren beziehen sich die Ausdrücke wie: "aquam sustinere" d. h. den Wasserfluss unterbinden, "aquam perdere", in den Tag hineinreden, oder auch, was offenbar häufig vorkam, "Aqua haeret" das Wasser bleibt hängen, die Ausflussöffnung ist verstopft. Abbildung nebenan, zeigt eine Auslaufwasseruhr in der im Altertum gebräuchlichen Form. Es handelt sich um eine Uhr des ägyptischen Königs Amenophis 111. aus der Zeit um 1400 v.Chr. Die besondere Form eines stumpfen Kegels sollte bewirken, dass das Wasser aus der kleinen Öffnung am Boden gleichmäßig ausfloss. Die im Inneren an der Gefäßwand angebrachten Stundenmarken haben daher gleichen Abstand. Die exakte Theorie besagt, dass das Ausfließen dann gleichmäßig erfolgt, wenn die Wände des Gefäßes die Form einer Parabel 4. Grades haben. Bei der königlichen Wasseruhr sind die Gefäßwände jedoch gerade, ihre Neigung beträgt 1:3, wobei der obere Durchmesser des Gefäßes doppelt so groß ist wie der untere. Ein gleichmäßiges Ausfließen des Wassers konnte damit nur unvollkommen erreicht werden, die Uhr geht am Ende ihrer Laufzeit erheblich nach. Die Außenwand der aus Alabaster gefertigten Uhr ist auf das kostbarste
verziert. Sie trägt in drei tiefblauen Streifen reiche Einlagen aus bunten
Steinen und Fayencen. Der unterste Streifen zeigt den König selbst inmitten der
12 Monatsgötter, die beiden oberen Streifen stellen den gestirnten Himmel dar
mit Sonnen- und Mondgott, den Fixsternen mit Sternbildern und den Bildern der
Planeten. Die Uhr war also schon im Altertum nicht nur Zeitmesser allein,
sondern auch kunstvoll gestaltetes Schmuckstück. In Abbildung unten ist das Prinzip einer Wasseruhr aus dem 3.Jahrhundert v.Chr. wiedergegeben, die durch ihren komplizierten Mechanismus bemerkenswert ist. Ihr Erfinder war Ktesibios, ein griechischer Mechaniker, der etwa von 300 bis 260 v.Chr. in Alexandria lebte. Außer Wasseruhren konstruierte er auch noch Wasserorgeln, ein Pressluftgeschütz und eine doppelt wirkende Pumpe mit Windkessel. Vitruvius gibt in seinem Buch "De archltectura", eine Beschreibung dieser Uhr, deren Funktion wir uns danach folgendermaßen vorstellen müssen: Ein mit Wasser gefälltes Vorratsgefäß besitzt unten eine Mündung, die Ktesiblos aus einem Stück Gold ausarbeitete oder mit einem durchbohrten Edelstein versah. Da nun das Wasser ganz gleichmäßig durch diese Mündung hindurch in ein anderes Gefäß fließt, hebt es ein umgestürztes Becken, auf dem ein senkrechter Stab angebracht ist, empor. Der Stab ist mit gleichmäßigen Zähnen besetzt, welche in Verbindung mit einer Drehscheibe die langsame, gleichmäßige Drehbewegung einer Säule verursachen. Auf dieser sind Monate, Tage und Stunden markiert. Wegen der ungleich langen Tagesstunden im Verlauf des Jahres sind die Stundenlinien gekrümmt. Eine Figur, die oben auf dem Stab steht, weist mit einem Zeigestock auf Tag und Stunde hin. Wasseruhren hatten den großen Vorteil, dass durch das fließende Wasser eine Kraft zum Antrieb der verschiedensten Mechanismen zur Verfügung stand. Es entstanden bis in die Neuzeit herein Meisterwerke einer kunstfertigen Mechanik; Kostbarkeiten, die als Geschenke für Kaiser und Könige geeignet waren. So erhielt Pipin der Kleine von Papst Paul 1. eine wundervolle Wasseruhr, Kallf Harun al Raschid sandte Karl dem Großen zur Krönung ein derartiges Wunderwerk, und im Jahr 1231 machte Sultan Saladin Friedrich 11. eine in Bagdad hergestellte berühmte astronomische Wasseruhr zum Geschenk. Die Wasseruhr, von den Griechen "Klepsydra" (Wasserdieb) genannt, gab es als Auslaufuhr und als Einlaufuhr. Sie soll von den Ägyptern im 3. vorchristlichen Jahrtausend erfunden worden sein; die älteste uns erhaltene Wasseruhr stammt aus dem 15. Jahrhundert V. Chr. Die Uhr bestand aus einem konischen Gefäß mit Marken an der Innenseite und einer oder mehreren Öffnungen dicht über dem Boden. Die Auslaufuhr wurde mit Wasser gefüllt; die Markierungen erlaubten am Absinken des Wasserspiegels die seit dem Einfüllen verstrichene Zeit festzustellen. Die Einlaufuhr hingegen wurde auf eine Wasseroberfläche gelegt; bei ihr markierte das Ansteigen des Wasserspiegels im Behälter den Ablauf der Zeit. Große Verbreitung fanden die Wasseruhren in Griechenland und Rom. Sie wurden später durch Mechanismen vervollkommnet, die astronomische Angaben ermöglichten und Automatenfiguren bewegten. Bewahrt wurde das antike Erbe durch die Araber, die die Entwicklung weiter vorantrieben. Sinnvolle Vorrichtungen ermöglichten es, den Zeitablauf hörbar zu machen: Manche Wasseruhren waren mit Figuren ausgestattet, die zu jeder Stunde eine entsprechende Zahl von Kugeln auf laut tönende Gongs fallen ließen. Räderwerke bewegten Ziffernkreise an Fensterchen vorbei, in denen so die Zeit optisch angezeigt wurde. Auch im Fernen Osten, im "Reich der Mitte", wurde die Wasseruhr im Lauf der Jahrhunderte immer stärker "automatisiert". Hier ging man, soweit bekannt ist, erstmals dazu über, die Zeit durch zerteilen des Zeitflusses zu messen. Eine in der Pekinger Nationalbibliothek aufbewahrte chinesische Handschrift aus dem Jahre 1090 n. Chr. berichtet von einer Wasseruhr, die ein gewisser Su-Sung für die Palastgärten in Kai-Feng erbaute. Die "Himmelsmaschine", die im Jahr 1066 entstanden sein soll, war insgesamt zehn Meter hoch. Die Verkleidung des zylinderförmigen Baus wies fünf Öffnungen auf, in denen Täfelchen sowie Figuren mit Zimbeln und Gongs die Zeit angezeigt haben. Ungemein interessant war der Mechanismus. Ein Rad von etwa vier Meter Durchmesser wurde von einem gleichmäßig fließenden Wasserstrahl so angetrieben, dass am Radumfang befestigte Behälter gefüllt wurden; hatte ein Behälter ein bestimmtes Gewicht erreicht, so wurde durch eine einfallsreiche Vorrichtung eine Hemmung so lange gelöst, bis der nächste Becher sich unter dem Wasserstrahl befand; danach wurde das Rad wieder arretiert. Dieser Reguliermechanismus nahm bereits die mechanischen Hemmungen vorweg, wie sie später in den Räderuhren verwirklicht wurden. Ein Hebelmechanismus bewegte die Figuren und Tafeln, welche die Zeit anzeigten. Leider ist außer der Beschreibung von diesem Wunderwerk nichts erhalten geblieben.
Das Mittelalter
Weite Verbreitung in der ganzen antiken Welt fanden Sonnenuhren kleineren
Formats, die sich ab dem 15. Jahrhundert auch im Abendland größter Beliebtheit
erfreuten. Führend in der Herstellung solcher Uhren waren im ausgehenden
Mittelalter und während der Renaissance Deutschland, England, Frankreich und Die Hohlflächensonnenuhr, hat Vorfahren bereits in der Antike. Die griechische Skaphe ist mindestens für das 3. vorchristliche Jahrhundert nachweisbar. Sie bestand aus einer ausgehöhlten Halbkugel, deren offene Seite mit einem Schattenwerfer im Zentrum dem Zenit zugewandt wurde. Ihre Tradition wurde bis in die Neuzeit hinein fortgeführt. Aus dem Jahr 1596 stammt die kostbare Hohlflächensonnenuhr in Becherform, die - heute im Science Museum in London ausgestellt - auf 42 Grad nördlicher Breite, also auf die Breite von Rom, kalibriert ist. Im Katalog des Museums heißt es, dass das prachtvolle Stück wahrscheinlich von einem italienischen oder süddeutschen Meister gefertigt wurde. Kerzen und ÖluhrenEs sind Uhren die gegenüber den Wasseruhren den Vorteil haben, dass man die
Zeit bei Dunkelheit ablesen kann. Sowohl bei der Kerzenuhr wie auch bei der Öluhr
verzehrt eine Flamme den Brennstoff. Die Länge der Kerze wie auch die Höhe des
Ölstandes im Vorratsbehälter stellen ein Maß für die verflossene Zeit dar. Die Idee, das Abbrennen von Stoffen zur Zeitmessung zu verwenden, ist sehr alt, doch sind Oberlieferungen aus frühester Zeit recht spärlich. Mit Sicherheit haben Uhren der abgebildeten Art den Nachtwachen der Städte und den Mönchen in den Klöstern die Zeit angezeigt. Klosterbrüder, die als Wächter bestellt waren, führten die Aufsicht über die Uhren, von denen es im Kloster mehrere gab. In den "Gebräuchen von Hirschau" (10. und 11.Jahrhundert) wird berichtet: "Der "Vigilgallus" ist besorgt und richtet die Uhr sorgfältig. Weil es aber vorkommen kann, dass diese unrichtig geht, so soll er die Zeit bestimmen an der Kerze oder nach dem Lauf der Gestirne, damit er die Brüder zur vorbestimmten Zeit wecken könne...," Über die Öluhr gibt es folgende Beschreibung:Die Öluhr besteht eigentlich nur aus einer Lampe, deren Glasbehälter unten
eine kleine Öffnung hat, durch die das Brennöl von einem Docht angesaugt wird.
Das Gestell der Lampe ist aus Zinn gearbeitet, ebenso die am Ölbehälter
angebrachte Stundenskala. Letztere trägt die Stunden von abends 6 bis morgens 8
Uhr. Die Stärke des Dochtes war so gewählt, dass das Öl in der Lampe von der
Flamme in vierzehn Stunden aufgezehrt wurde. Füllte man abends 6 Uhr den Ölbehälter
bis zum obersten Teilstrich und brannte die Lampe an, so hatte man während der
ganzen Nacht nicht nur Beleuchtung, sondern annähernd auch die Zeit, welche
durch die Oberfläche des langsam sinkenden Ölspiegels angezeigt wird. Der Ölbehälter
bekam später die Form einer Birne, damit auch die einzelnen Stunden in möglichst
gleicher Länge angezeigt wurden, weil der Druck des Öles, wenn es aufgefüllt
war, einen zu raschen Brand des Lichtes in einem ganz zylindrischen Glas
erzeugte. Wann und wo zum, erstenmal das gleichmäßige Abbrennen von Stoffen zur Zeitmessung verwendet wurde, ist nicht bekannt. »Feueruhren« muss es schon sehr früh gegeben haben. In China waren sogenannte Duftuhren verbreitet: Langsam abbrennende Räucherkerzen waren so graduiert, dass man am Stand der wandernden Glut die Zeit ablesen konnte. Ebenso einfach, aber wirkungsvoller waren chinesische »Wecker«: man legte die angezündeten Stäbchen in oft reich verzierte »Schiffe« und spannte je nachdem, wann man geweckt werden wollte, einen Seidenfaden mit an den Enden befestigten Kugeln über das Stäbchen. Sobald die Glut diese Stelle erreichte, brannte der Faden durch, und die Kugeln fielen auf einen Gong. Im Prinzip gleich waren die »Kerzenuhren«, von denen u. a. spanische Chroniken berichten. Auch sie wiesen Markierungen auf, so dass die im Lauf der Zeit kleiner werdende Kerze ein wenn auch nicht sehr genauer Zeitmesser war. Kerzenuhren wurden in Klöstern viel verwendet. Je dicker die Kerzen, desto länger waren die Zeitabschnitte, die man mit ihnen messen konnte. Wenig wissen wir auch über die Herkunft der Öluhren. Sie wurden in Mitteleuropa erst ab dem 17. Jahrhundert häufiger, waren aber dann bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts sehr beliebt. Der den gläsernen Ölbehälter umschließende Metallbügel ist graduiert, so dass der beim Brennen der Lampe allmählich sinkende Ölspiegel die Zeit angibt. Öllampen waren besonders praktisch als Nachtuhren, lieferten sie doch gleichzeitig Licht, was vor dem Zeitalter der Elektrizität eine große Annehmlichkeit bedeutete. SanduhrenWer heute mit Hilfe einer Eieruhr sein Frühstücksei kocht, denkt wohl kaum
daran, dass dieses Instrument schon bei den Arabern eine große Rolle spielte.
Freilich lässt sich nicht genau sagen, wann es erfunden wurde. In antiken
Berichten und Darstellungen findet sich keine Spur davon. Sanduhren bestehen aus
zwei mit der Spitze verbundenen, meist kegelförmigen Behältern; durch eine
enge Öffnung rinnt der Sand langsam aus dem oberen in den unteren Behälter.
Bei Eieruhren dauert es drei bis fünf Minuten, bis der obere Behälter leer
ist; große Sanduhren, wie sie früher beispielsweise in der Schifffahrt
gebraucht wurden, hatten eine »Laufzeit« bis zu vier Stunden. In der Regel
aber dienten die Sanduhren zur Messung kürzerer Zeitabschnitte. Besonders häufig
verwendet wurden sie ab dem späten Mittelalter als Kanzeluhren, um die Länge
der Predigt kontrollieren zu können. Auch allzu redefreudige Anwälte und
Richter wurden in den Gerichtssälen durch Sanduhren gebremst. Wenn die Uhr
abgelaufen war, brauchte man sie nur umzudrehen; sinnvolle Zähleinrichtungen,
die am Rahmen angebracht waren, gaben an, wie oft eine Uhr abgelaufen war. Erste Hinweise stammen aus dem 14. Jahrhundert. In diese Zeit muss die Erfindung der Sanduhr fallen. Im 16. Jahrhundert wird sie als allgemein bekannt erwähnt. Abbildung rechts zeigt eine einfache Sanduhr aus dem frühen 16. Jahrhundert. Ihre Form hat sich bis heute nicht geändert. Sie besteht aus einem doppelt konischen Gefäß, wobei die Spitzen der Konen gegeneinander gerichtet sind. Das Geheimnis einer guten Sanduhr liegt in der Ausführung der Öffnung, durch die der Sand rieselt, und in der Art und Aufbereitung des Sandes. Wenn wir über das 1339 verfasste Rezept: Man nehme Mehl von schwarzem Marmor, das neunmal gründlich in Wein gekocht, neunmal abgeschäumt und neunmal an der Sonne getrocknet wird". heute etwas lächeln, so ist doch verständlich, dass Art und Beschaffenheit des Sandes für die Funktion der Sanduhr von großer Bedeutung sind. Die Sanduhrmacher des Mittelalters müssen damals ähnliche Probleme mit dem genauen Gang ihrer Uhren gehabt haben wie die modernen Uhrmacher mit der Regulierung der Räderuhren heute. Die Schwere des Sandes hatte ja Einfluss auf die Ablaufgeschwindigkeit, ferner war zu berücksichtigen, dass sich der Sand nach und nach zerrieb, also feinkörniger wurde, und die Ablaufzeit sich verkürzte, und schließlich wurde durch scharfkantigen Sand die Durchflussöffnung allmählich ausgeschliffen und erweitert. Besonders bewährt hatte sich ein schwerer, bleihaltiger Sand, wie er in der Gegend von Venedig vorkam. Dem Blei wird dabei. eine Schmierwirkung zugeschrieben, so dass das Glas weniger angegriffen und der Sand selbst nicht so schnell zerrieben wurde. Auch Sand aus der Umgebung von Nürnberg war begehrt. Da auch die Glasgestaltung äußerst wichtig war - 1536 erschien eine Abhandlung über die Technik, die Einschnürung herzustellen -, finden wir Sanduhrmacher dort, wo auch die Glasbläserkunst in hoher Blüte stand, beispielsweise in Venedig. Auch als die Räderuhr schon weit verbreitet war, wurden die Sanduhren verwendet, um Rednern die Zeit zuzumessen - auf Kanzeln, in Gerichtssälen, bei Auktionen. Eine vierfache, kippbare Sanduhr für Zeiten von 15, 30, 45 und 60 Minuten als Kanzeluhr. Auch beim sog. "Logen", um die Geschwindigkeit eines Schiffes zu bestimmen, bediente man sich einer Sanduhr, die gewöhnlich 14 Sekunden lief. Wasser, Öl, und Sanduhren haben eines gemeinsam: sie registrieren den stetigen Ablauf eines Vorgangs nach statistischen Gesetzen. Ihre Aufgabe war es, unter sich gleiche Zeitspannen zu messen, nicht aber den täglichen Zeitablauf in bestimmte Abschnitte zu teilen. Dies taten die späteren Pendel und Räderuhren mit Schwungsystem, über die im folgenden berichtet wird, mit weit höherer Genauigkeit. Für die damalige Zeit galt noch der Ausspruch Senecas, wonach eher Philosophen miteinander übereinstimmen als Uhren: "Horam non possum certam tibl dicere, facilius inter pholosophos convenit quam inter horologia"....er hatte also von den Uhren seinerzeit nicht gerade die beste Meinung. Das Prinzip der RäderuhrRäderuhren im eigentlichen Sinn sind keineswegs alle Uhren, die Zahnräder
aufweisen; Zahnräder gab es schon in der bereits geschilderten chinesischen »Himmelsmaschine«.
Vielmehr verstehen wir darunter jene Uhren, die ohne Bezug auf astronomische
Gegebenheiten mit Hilfe eines Räderwerks mechanisch den Zeitablauf messen. Dazu
ist es nötig, den Zeitfluss in möglichst gleichmäßige Einheiten zu
unterteilen, die dann automatisch gezählt und addiert werden. Dementsprechend
muss jede Räderuhr zunächst eine Vorrichtung aufweisen, die dem zerteilen der
Zeit dient. In den ältesten Uhren war das die gleichmäßig schwingende Waag,
die in kleineren Uhren später durch die Unruh ersetzt wurde. Die Schwingung
dieses Elements liefert das Zeitnormal, also die zu addierenden Zeiteinheiten.
Die Summe der Schwingungen wird durch einen entsprechenden Mechanismus
angezeigt. Um die Uhr in Gang zu halten, muss dem Werk ständig Energie zugeführt
werden. Dazu nützt man entweder die Schwerkraft (Gewichtuhr) oder die in einer
Feder gespeicherte Kraft (Federzuguhr). Alle Bestandteile der Räderuhr, von der Waaghemmung abgesehen, waren schon früher bekannt und hatten für die unterschiedlichsten Mechanismen Verwendung gefunden. Doch erst die Waaghemmung, deren Erfinder uns nicht bekannt ist, ermöglichte durch ständige Energiezufuhr ein gleichmäßiges Zeitnormal, das sich mechanisch addieren ließ. Wann, wo und von wem die ersten Räderuhren mit mechanischem Hemmwerk gebaut wurden, ist nicht bekannt. Jedenfalls geschah dies im ausgehenden 13. Jahrhundert, möglicherweise in Spanien, aber auch Frankreich kommt als Heimat der Räderuhr in Frage. Vom Turm ins HausAn die Stelle des drehbaren Zifferblatts trat bald der drehbare
Stundenzeiger. Außerdem erwachte früh schon die Freude an kunstvollen
Automaten. Die Turmuhren in Orvieto und Venedig zeigen bronzene Figuren, die
mittels eines einfallsreichen Hebelmechanismus die Stunden schlagen. Bald
versuchte eine Stadt, eine Pfarrei, die andere auf diesem Gebiet zu übertreffen.
Man schuf Automaten, die regelrechte »Schauspiele« darboten: Figuren, die beim
Stundenschlag verschiedenartigste Bewegungen ausführten, in Prozession vor dem
Zifferblatt oder vor einer Marienfigur vorbeizogen, Engel, die in eine Posaune
bliesen (dazu wurde automatisch eine hinter der Figur verborgene Orgelpfeife betätigt)
und vieles andere mehr. Die Renaissance
Die wachsende Nachfrage führte zur Ausbildung des neuen Berufsstandes der
Uhrmacher. Bis dahin waren die eisernen Uhrwerke von Schmieden gefertigt worden;
allmählich aber traten Kupfer, Bronze oder Messing an die Stelle des Eisens.
Die Uhrenformen der Gotik behielt man zunächst im wesentlichen bei. Doch schon
im ersten Viertel des 15. Jahrhunderts wurde, vielleicht in Italien, eine
Erfindung gemacht, die eine neue Entwicklung in Gang setzte - der Federantrieb.
Während beim Gewichtantrieb die Schwerkraft die für die Bewegung des Uhrwerks
erforderliche Energie liefert, nützt man beim Federantrieb die in der
aufgezogenen Feder gespeicherte Energie, die durch einen sinnvollen
Hemm-Mechanismus nach und nach an das Werk abgegeben wird. Zunächst stellte man
Versuche mit Torsionsfedern an, doch kam man auf diesem Weg nicht zu
befriedigenden Ergebnissen. 1504 konstruierte der Schlosser Peter Henlein eine Taschenuhr, die heute in der Memorial Hall in Philadelphia (USA) ausgestellt wird. Sie hatte einen Federzug, lief 24 Stunden und schlug jede Stunde. Sonstige Kleinuhren von P. Henlein sind nicht erhalten. Auch die Bezeichnung "Nürnberger Ei" ist irreführend und hat unmittelbar nichts mit der Eiform der frühen tragbaren Uhren zu tun. Es handelt sich vielmehr um eine Verballhornung des lateinischen Wortes Hora (Stunde), das über Ora, in der Verkleinerungsform zu Orelein und Örelein, schließlich zu Eierlein wurde. Populär wurde Henlein durch die Novelle von Carl Spindler "Der Nürnberger Sophokles". Durch den Federantrieb wurde die Uhr ortsunabhängig. Reiche Bürger trugen sie an einem Halsband oder befestigten sie an der Kleidung (Bisamapfeluhr), ab etwa 1520 am Handgelenk und später dann als Taschenuhr. Die Energie der Antriebsfeder nimmt mit nachlassender Spannung ab. Die Feder bestand aus einer langen, durch Schmieden gehärteten Stahllamelle, deren eines Ende an einer Achse befestigt war, während das andere über das umschließende Federhaus mit dem Uhrwerk verbunden war. Wird die Feder mit Hilfe eines Vierkantschlüssels fest auf die Achse aufgewickelt, so speichert sie Energie, die dann über das Federhaus das Werk antreibt. Der Federantrieb brachte für die Uhrmacherei zwei wesentliche Fortschritte: Man konnte die Uhren noch mehr verkleinern, also tragbare Uhren schaffen, und man war jetzt nicht mehr - wie bei der Gewichtuhr - von der Wirkung der Schwerkraft abhängig, was bedeutete, dass Uhren mit Federantrieb in jeder beliebigen Lage funktionierten. Diese Möglichkeiten wurden von den Uhrmachern der Renaissance rasch genützt. Die süddeutschen Handelsstädte, an erster Stelle Augsburg und Nürnberg, gehörten damals zu den Zentren europäischer Uhrmacherkunst. Die schönsten und kompliziertesten Uhren wurden im Auftrag hoher weltlicher oder geistlicher Fürsten gefertigt, oft nach detaillierten Vorschriften der Besteller. Das 17. JahrhundertFedern und Gewichte lieferten weiterhin die Antriebskraft für die Uhren. Die
Waag wurde, zunächst bei Kleinuhren, teilweise durch die "Unruh"
verdrängt, einen Metallreif, dessen Schwingungsdauer durch in die Peripherie
eingesetzte Schrauben veränderlich war, während die Schwingungsweite durch
verschiedene Vorrichtungen (Schweinsborsten, Stifte usw.) begrenzt wurde. Während die Werke der Großuhren weitgehend noch aus Eisen geschmiedet wurden, verwandte man für kleinere Uhren in zunehmendem Umfang andere Metalle, die sich besser bearbeiten ließen und die Herstellung von verhältnismäßig präzisen Mechanismen erlaubten. Der Minutenanzeige diente zunächst ein Hilfsblatt mit eigenem Zeiger. Die erste bekannte Uhr mit koaxialen Minuten- und Stundenzeigern ist 1587 entstanden. Der Mechanismus unterschied sich noch von dem heutigen. Diese Achsenanordnung von Stunden- und Minutenzeigern, ineinander gesteckte feine Rohre, scheinen die Uhrmacher Englands, die Mitte des 17. Jahrhunderts in der Uhrenherstellung führend waren, mehr und mehr benutzt zu haben. Beide Achsen werden gemeinsam von der Minutenradwelle angetrieben. Die Uhrgehäuse waren damals teils aus Eisen oder Holz, oft aber auch aus Silber, aus vergoldetem Kupfer (manchmal mit Bergkristall oder Topas), selten aus massivem Gold. Der kunstvolle Dekor war den damaligen Uhrenliebhabern wichtiger als wertvolles Material. Zur Verzierung der Uhren dienten Marmor, Elfenbein, Bernstein und verschiedene Halbedelsteine. Der Emaildekor, zunächst als Zellschmelz, kam im ausgehenden 16. Jahrhundert auf, Emailmalereien nach 1630, vor allem für Kleinuhren, die man jetzt mit sorgfältig gearbeiteten Lederetuis versah. Die Taschenuhren des 17. Jahrhunderts waren in der Regel verhältnismäßig hoch, weshalb man sie als "Zwiebeln" bezeichnete - ein noch heute scherzhaft gebrauchter Ausdruck. Die Zentren der Taschenuhr - Herstellung wurden jetzt die Schweiz und England. Sack- und Taschenuhren aus Deutschland und OsterreichNürnberg kann als die Wiege der deutschen Kleinuhr betrachtet erden. Von hier verbreitete sich die handwerkliche Herstellung der Federzuguhren rasch nach anderen Städten des Reiches, und es ab in der Mitte des 16. Jahrhunderts kaum eine größere Stadt in Deutschland, in der nicht Kleinuhrmacher ansässig waren, die solche "Hals- und Brustuhren" handwerklich herstellten! Zu Beginn des 17. Jahrhunderts konnte man in einzelnen Städten, so in Augsburg, beinah von einer Uhrenindustrie sprechen, so viele Uhrmacher arbeiteten Hand in Hand und stellten in einer gewissen Arbeitsteilung mit Goldschmieden und Gehäusemachern die schönen Uhren und Uhrwerke in vielen Formen und Ausführungen her. Für den Uhrensammler sind die ersten Exemplare solcher deutschen Kleinuhren heute nicht mehr zu beschaffen, diese Halsuhren sind meist nur noch in Museen zu sehen. Die flachen und runden dosenförmigen Uhren, welche meist in durchbrochenen, künstlerisch ausgestatteten Gehäusen mit Ring und Ösen versehen als Halsuhren im Gebrauch waren, finden sich noch auf Gemälden des 17. Jahrhunderts. In der zweiten Hälfte ändert sich die äußere Form der Halsuhr in die ovale, und vor 1600 finden wir die Kleinuhr in fantastische Umkleidungen wie Kreuze, Nußschalen, Bücher, Tiere usw. gebracht. Das 17. Jahrhundert bildete in Deutschland allmählich die Eiform der Kleinuhr heraus, die man als Nürnberger Eier (Eyerlein) bezeichnet und fälschlich lange Zeit als früheste Taschenuhr angesehen hat. Um 1620 verliert sich die ovale Form, und es entstehen runde Taschenuhren von mäßiger Größe. Das Gehäuse wird auch bei den deutschen Taschenuhren mit prächtigen Emailmalereien verziert, auch das Uhrwerk bekommt durch Gravierung der Kloben und Pfeiler feine Ausstattung. Solche Uhren wurden viel in Augsburg und Nürnberg, aber auch in Ulm und anderen süddeutschen Städten hergestellt und dienten wohl zuerst den damals herrschenden Fürstlichkeiten häufig als Geschenk für Bevorzugte. Mit der Herrenmode um 1625, die Uhren in der Tasche zu tragen, wurde die äußere Ausstattung der Uhrgehäuse häufig weit einfacher, wofür jedoch das Uhrwerk mit Platine, Spindelkloben, Platinenpfeilern (Werkpfeilern) usw. um so prächtiger verziert wurde. Um 1640 muss die Idee aufgetaucht sein, das Uhrgehäuse in einem besonderen Übergehäuse zu bewahren, welches nicht selten von einem zweiten Übergehäuse geschätzt war, wodurch das erste Gehäuse wiederum geschmückt wurde durch Gravierung, Durchbruch (Repercee) und später durch Email. Die ursprünglichen runden Halsuhren aus vergoldeter Bronze hatten wie die späteren Taschenuhren Dosenform, nur waren sie bedeutend dicker; sie glichen oft den runden Seifenstückchen; daher der Name "Savonnette", der noch heute für Taschenuhren mit Sprungdeckel gebräuchlich ist. Der Dreißigjährige Krieg hat diesem einst blühenden Gewerbefleiß der Uhrmacher in den süddeutschen Städten ein Ende gesetzt, und nur spärliche Reste hielten sich in Österreich und Böhmen und in dem Raum zwischen Rhein, Main und Donau. Erst mit Beginn des 18. Jahrhunderts kann auch in Deutschland und in Österreich wieder von einer nennenswerten Uhrmacherkunst gesprochen werden. Es werden jetzt wieder Taschenuhren in guter Qualität gefertigt; Vorbilder waren zuerst französische und englische Kleinuhren. Die Ausschmückung der deutschen Taschenuhren ist zumeist bescheiden, doch es treten interessante Varianten in den Dekors auf. Durch die Anwendung der Unruh-Spiralfeder werden die Unruhen größer, die Durchmesser der Spindelkloben (Spindelbrücken) nahmen zu, sie waren durch reiche Gravierarbeiten und Durchbruchdekorationen verziert. Von Bedeutung wurde die Kleinuhrmacherei nur in wenigen Städten, so zum Beispiel in Friedberg bei Augsburg, in Augsburg selbst und auch schon in Pforzheim. Von der Friedberger Uhrmacherkunst wird um die Mitte des 18. Jahrhunderts berichtet: "Damals war die Uhrmacherei zu Friedberg bereits so zur Entfaltung gekommen, dass eine fast fabrikmäßige Arbeitsteilung Platz gegriffen hatte. Eine Person schaffte der anderen in die Hand; auch Frauen und Mädchen waren bei der Herstellung der Uhren mit tätig. Neben den eigentlichen Uhrmachern gab es z. B. eigene Gehäusemacher, welche gelernte Goldschmiede waren und die schönen, getriebenen Hüllen machten, ferner eigene Stockuhrfedermacher, eigene Sackuhrschlüsselmacher, eigene Stecher, welche die Vorgestech - und Gehäuse - und auch andere Stecharbeit für die Kleinuhrmacher besorgten, eigene Uhrkettlmacherinnen "für die Kettl in die Felduhren", dann "Säglein- und Feilenmacherinnen" (etliche Uhrmacherfrauen und Töchter), so die "allersubtilisten, kleinen englischen Sägeln und Feilen verfertigten, womit Eisen und Messing, Zieraten und Buchstaben aufs feinste geschnitten werden konnten". Friedberger Uhren waren zu jener Zeit in aller Herren Länder. Sie schmückten ebenso die Taschen Pariser Elegants, wie sie die müßige Zeit englischer Lords gemessen haben. Ja, sogar Uhren und Uhrenteile (Kloben, Brücken, Werke) gingen bis nach London, um dort mit englischer Signatur verkauft zu werden! Für den Sammler insofern interessant, dass auf englische Signaturen in diesen Zeiten nicht immer Verlass ist. Neben Prunkuhren wurden auch einfachere Taschenuhren in Deutschland gefertigt. Es gab viele Meister in fast allen Städten, die einfache Bauernuhren herstellten. Manche dieser Uhren schmeckten Email-Plaketten auf Zifferblatt und Gehäusen bei Prunkuhren. Andere sind durch Gravierung, Ziselierung der Gehäuse und Zifferblätter geschmückt. Eine Fülle von Fantasie entströmt diesen Spezies. Abgesehen von den Meisterstücken waren die damaligen Augsburger und Friedberger Uhren im allgemeinen Gebrauchsgegenstände. Ihre Kloben und Werkbrücken zeigten durchbrochene, laubsägearbeitähnliche Verzierungen mit Blumengerank, Vögeln und Fratzengesichtern. An der herberen, ernsten Linienführung kann heute der Sammler die deutschen Kloben von den feineren Pariser Arbeiten wohl unterscheiden. Das ist wesentlich bei unsignierten Taschenuhren um 1800, die meist aus Friedberg stammen mögen. Die Bauernuhren mit Schildpatt- (Schildkröt-) Übergehäuse waren seinerzeit beliebt wie die mit feinem Leder überzogenen Uhrschalen. Es entstanden Uhrenmanufakturen in Berlin, Pforzheim und im österreichisch süddeutschen Raum, und daneben bauten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche handwerklich arbeitende Uhrmacher ihre Bauernuhren - dicke Silbertaschenuhren (Zwiebeln, in Wien "Brater" genannt). Diese sind heute beliebte Sammelobjekte, besonders in Verbindung mit einer Uhrkette, die mit "Charivari" behangen ist. Uhrenliebhaber, die die Züge der Entwicklung der deutschen Taschenuhr in ihrer Sammlung mit aufzeigen wollen, werden nicht daran vorbeigehen. Erst seit 1850 entwickelte sich in Deutschland wieder allmählich eine nennenswerte Uhrenindustrie, die feine und preiswerte Taschenuhren herstellte. Im Sächsischen Erzgebirge wurde 1845 durch Friedrich Adolf Lange die Glashütter Taschenuhrenfabrikation begründet, die sich auf die Herstellung der feinsten Taschenuhren und Chronometer spezialisierte. Glashütter Taschenuhren sind heute begehrte Sammelobjekte geworden. In Schlesien entstand zuerst in Lähn, später in Silberberg im Eulengebirge eine Fabrik, die bis 1914 ebenfalls feine Taschenuhren in nicht allzu großer Zahl hergestellt hat. Eduard Eppner, der Begründer dieser schlesischen Präzisionstaschenuhrenfabrik, hat sich sehr bemüht, und seine Taschenuhren sind heute vielbegehrte Sammelstücke geworden und sind gesucht wie Glashütter Uhren. Im Thüringer Wald, in dem durch seinen Schmied bekannten Städtchen Ruhla, entwickelte sich um die Jahrhundertwende die Taschenuhr aus einer billigen Spielzeuguhr und ist auch heute ein Sammelobjekt geworden, besonders die Thiel- Wecktaschenuhr. Für den Uhrensammler finden mehr und mehr Glashütter Taschenuhren der Firmen A. Lange & Söhne (gegründet 1845), J. Assmann (gegründet 1852), Dürrstein & Co. und Glashütter Präzisionsuhrenfabrik Union Beachtung. Durch fortgesetzte Verbesserungen entstand in der Lange-Taschenuhr eine Präzisionsuhr, die, sowohl was das Gehäuse als auch die Uhrwerke betrifft, geradezu vollkommen wurde. Diese Taschenuhren stehen in bezug auf die Werk- und Gehäuseausstattung ebenbürtig neben den Genfer Präzisionsuhren von Patek, Philippe und Vacheron & Constantin. Neben den einfachen Uhren in goldenen und silbernen Gehäusen finden sich als Lange-Uhren auch solche mit komplizierten Uhrwerken, wie Viertel- und Minuten-Repetition (Taschenuhren mit Schlagwerk), Chronographen mit einfachem und doppeltem Sekundenzeiger in der Mitte des Zifferblatts, Datumsanzeiger und ewigem Kalender, sowie komplizierte Taschenuhren, in denen alle diese Vorrichtungen vereint sind. Besonders bemerkenswert sind die Tourbillons mit Chronometerhemmung, die in der Uhrenfabrik Lange kurz vor dem Ersten Weltkrieg in einigen Exemplaren gebaut wurden. Die Herstellung von Marine-Chronometern und B-Uhren (Beobachtungsuhren) mit Anker- oder Chronometerhemmung fand bis Ende des Zweiten Weltkrieges statt. Alle diese Uhren sind heute schon Sammelobjekte, da sie einmalig sind und nicht mehr gefertigt werden. Aber nicht nur in den Uhrwerken hatten die Fabriken in Glashütte Vorzügliches geleistet, sondern auch in deren äußerer Ausstattung. Die Gehäuse sind in ihrer schlichten Form den Uhrwerken auf das genaueste angepasst. Dekorativ gestaltete Uhrschalen i vollendeter Ausführung zeigen reich gravierte Deckel in künstlerischer Manier nach Entwürfen von bekannten Professoren Graff und Pape, Kunstgewerbeschulen Dresden und Berlin) die Gehäuse weisen auch geschmackvolle Monogramme auf. Besonders kunstvoll ausgeführt sind die Gehäuse aus Silber und Gold. Uhren gestern
Die Uhrmacherkunst bleibt nicht stehen: Zum einen passte man die äußere
Form und den Dekor der Uhren dem veränderten Zeitgeschmack an, zum anderen war
man bemüht, die Ganggenauigkeit durch eine Reihe von technischen Neuerungen fühlbar
zu verbessern. Immerhin hatte man an der Schwelle zum 18. Jahrhundert schon
Beachtliches erreicht: Die mit Pendeln ausgestatteten Uhren besonders sorgfältiger
Machart wiesen täglich nur noch Gangabweichungen von rund zehn Minuten auf. Für
den Alltagsgebrauch war eine solche Genauigkeit durchaus befriedigend, doch die
Wissenschaftler und vor allem die Seeleute verlangten nach noch genaueren
Zeitmessern. Uhren waren nun nicht mehr nur ein Privileg der hochgestellten Kreise, sondern fanden zunehmend in die Häuser auch einfacher Bürger und Bauern Eingang. Ein wichtiges Fabrikationszentrum für solche Uhren wurde der Schwarzwald (noch heute werden die Schwarzwälder Kuckucksuhren in alle Welt exportiert). Diese für das einfache Volk bestimmten Uhren mussten preisgünstiger produziert werden. Sie bestanden im wesentlichen aus Holz, dem billigsten Rohstoff der waldreichen südwestdeutschen Landschaft, auch das Räderwerk. Das Gehäuse war in der Regel sehr einfach; meist schmückten Malereien ländlichen Stils die Frontseite. Hölzerne Uhren wurden vor allem auf dem Land gekauft. In Bürgerhäusern waren, wenn man sich keine Prunkuhren leisten konnte, Uhren mit Metallgehäuse Mode. Die StanduhrMit Kompensationspendeln wurden vor allem Bodenstanduhren ausgestattet. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts entwickelte sie sich aus der Säulenuhr. Sie hatte gewöhnlich einen allseits geschlossenen Holzkasten und wurde entweder an die Wand angelehnt oder angeschraubt. Im 17. Jahrhundert wurde dieser Uhrentyp in England große Mode; im 18. Jahrhundert wurden englische Bodenstanduhren in alle Welt exportiert und in anderen Ländern vielfach nachgeahmt. Die Uhren zeichneten sich durch außergewöhnliche Ganggenauigkeit aus; die Uhrwerke waren verhältnismäßig einfach und deshalb sehr dauerhaft. Bodenstanduhren mit Kompensationspendeln und hochwertigen Werken nennt man Bodenregulatoren, die in Wien zu den sogenannten Geigenkastenregulatoren weiterentwickelt wurden. Die auf Abb. 57 gezeigte Uhr wurde um 1720 von Gasparo Astori in Venedig gefertigt. Die Form ist typisch englisch. Der schlichte Holzkasten ist mit schönen Intarsien geschmückt. Prunkvoller ist die im ausgehenden Jahrhundert geschaffene französische Bodenstanduhr auf Abb. 58. Das Werk stammt von dem Pariser Uhrmacher Robert Roben, das Gehäuse von B. Lieutaud. Deutlich erkennt man das Kompensationspendel hinter der verglasten Tür, ein klassisches Rostpendel. Die Industrialisierung der UhrmachereiFrüher, als man allgemein annimmt, nämlich schon im 18. Jahrhundert, bedienten sich die Uhrmacher industrieller Fertigungsmethoden, vor allem in Frankreich und in der Schweiz. Die erste regelrechte Uhrenfabrik, die die Serienfabrikation einführte, wurde 1794 in Fontainemelon eröffnet. Pioniere der Industrialisierung im 19. Jahrhundert waren die Schweizer, die seit geraumer Zeit auf dem Gebiet der Kleinuhrenherstellung Weltgeltung erlangt hatten. Genannt seien hier Georges Auguste Leschot, Adrien Philippe und Antoine Le Cultre. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt die Taschenuhr mit der ausschließlichen Verwendung des Ankergangs ihr heutiges Gesicht. Auch mittlere und große Uhren wurden nun fast nur noch in Serien hergestellt; Zweckmäßigkeit, Preisgünstigkeit und Robustheit traten immer mehr in den Vordergrund. Schon um die Jahrhundertmitte waren Taschenuhren für jedermann eine Selbstverständlichkeit; sie gingen, weil im Zuge der Serienfertigung weniger sorgfältig gearbeitet, ungenauer als die Einzelstücke des 18. Jahrhunderts. Gleichzeitig wurden jedoch auch auf Sonderbestellung noch in Handarbeit Chronometer von einer Präzision gefertigt, die erst durch die modernsten Uhren unseres Jahrhunderts übertroffen wurde. Diese nach den Wünschen der Besteller gestalteten Einzelstücke waren in der Regel vom höchstem künstlerischem Wert und oft aus kostbaren Materialien gefertigt. Skelettuhren sind allseits mit Glas verkleidet, so dass das Werk sichtbar ist. Die Platinen sind dabei auf ein Minimum reduziert. Bei Taschenuhren wurden oft die auf der Schauseite sichtbaren Uhrwerkselemente, beispielsweise die Unruh, in einen meist figürlichen Dekor einbezogen. Zu den Taschenuhren mit Glockenschlag oder Repetierwerk traten im 19. Jahrhundert Kleinuhren mit eingebauten Walzenspielwerken; Wecker-Taschenuhren gehen ins 18. Jahrhundert zurück. Uhren heute
Eine weitere Entwicklung waren die elektrischen Uhren, die heute noch
Verwendung finden. Bei ihnen erfolgt der Antrieb nicht durch Gewichte oder
Federn, sondern durch elektrische Impulse, also durch eine Art von Elektromotor.
Seit einigen Jahren gibt es auch Armbanduhren mit Batteriebetrieb, Meisterwerke
der Miniaturisierung. Die öffentlichen Normaluhren (in Bahnhöfen, auf Plätzen
und an öffentlichen Gebäuden) sowie die Uhren in Großbetrieben sind heute
fast ausschließlich elektrische Uhren, wobei eine Vielzahl von Nebenuhren durch
die Impulse einer übergeordneten Uhr mit selbständigem Gangordner gesteuert
wird. Von noch größerer Ganggenauigkeit sind die Quarzuhren. Bei ihnen besteht das Schwingungsnormal aus einem Quarz, der piezoelektrisch in Schwingung versetzt wird. Die Ungenauigkeit einer Quarzuhr beträgt nur etwa eine Sekunde in drei Jahren, doch ist sie als absolutes Zeitnormal ungeeignet, weil stets eine Abgleichung mit Hilfe eines übergeordneten Zeitnormals notwendig ist, und sich die eingestellte Frequenz durch Alterungsprozesse im Quarzgefüge, im Laufe der Zeit ändert. Bei der Atomuhr hingegen, der genauesten Uhr überhaupt, ist der Wert der Normalfrequenz durch einen quantenmechanischen Prozess exakt festgelegt, d. h., diese Instrumente messen die Zeit durch elektrische Zählung der Eigenschwingungen von Atomen oder Molekülen. Es gibt verschiedene Ausführungen, so die Ammoniak-Uhr, die Caesium - Atomuhr, die Thallium - Atomuhr und die Wasserstoff - Atomuhr, benannt nach den chemischen Verbindungen bzw. Elementen, deren Molekül- oder Atomschwingungen das Zeitnormal liefern. Nach der Caesium - Atomuhr ist seit jüngster Zeit die Sekunde definiert: Eine Sekunde ist die Zeitspanne von 9 162 631 770 Caesium - Atomschwingungen in einer solchen Uhr. Mit diesen exakten Uhren und Zeitnormalen gelang es jetzt, minimale Bahnabweichungen von Sternen und anderen Himmelskörpern im All zu messen. Größe, Masse, Entfernung und Geschwindigkeiten vieler Himmelskörper wurden neu bestimmt, sogar noch nicht geortete Sterne können aus den Bahnabweichungen anderer Gestirne berechnet werden. Atomuhr und die Wasserstoff - Atomuhr, benannt nach den chemischen Verbindungen bzw. Elementen, deren Molekül- oder Atomschwingungen das Zeitnormal liefern. Nach der Caesium - Atomuhr ist seit jüngster Zeit die Sekunde definiert: Eine Sekunde ist die Zeitspanne von 9 162 631 770 Caesium - Atomschwingungen in einer solchen Uhr.
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Streifzug durch die Geschichte der Sanduhren
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